Was macht eigentlich unser Bio-Kohl ?

von Petra Rolfs

 

IMG_4290Nachdem wir ihn gepflanzt hatten, hatte er erst eine etwas schwere Zeit. Die kleinen Pflänzchen kamen aus der Anzucht versehen mit einem kleinen Wurzelballen mit Erde. Und so werden sie auch in die Erde gepflanzt. Dann kam der Augenblick wo Regen und Trockenheit und vor allem der Dithmarscher Wind ihnen das Leben schwer machte. Bis dahin mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgt, musste der kleine Kohl nun anfangen Wurzeln in der guten Dithmarscher Erde zu bilden, um sich damit selber zu versorgen. Als dann nicht genügend Regen fiel, lagen viele Kohlpflanzen schlapp auf dem Feld und sahen wirklich nicht gut aus. Das war dann der Zeitpunkt, wo wir den jungen angehenden BIO-Bauer für drei Tage in Urlaub geschickt haben. :-) Wäre er vorbei gefahren hätte er sich wahrscheinlich gleich selber daneben gelegt, was wir dringend vermeiden wollten.
Wenn man „das Spiel“ kennt, weiß man, dass irgendwann nach ein paar Tagen die kleine Pflanze es geschafft hat und angewachsen ist. So war es auch dieses Mal. Da gibt es kein Unterschied zwischen Bio und normalen Kohl.
Nachdem sich nun die kleinen Wurzeln gebildet hatten und den guten Boden zu fassen bekamen, wuchs er los. Er trotzte Wind und Regen – davon hatten wir wirklich genug – und fing an, in der Mitte einen Kopf zu bilden, den wir dann später ernten wollen :)
Aber es lauerten noch mehr Gefahren: Der Anwachsstress war gerade gut überstanden, da kamen hunderte von „Weißwangen-Gänse“ auf der Vogelzuglinie durch das Naturschutzgebiet im Speicherkoog geflogen und entdeckten auf den angrenzenden Feldern leider auch unseren Bio.-Kohl.Bio-Kohl
Die Gänse fraßen mit großen Appetit einige tausend von unseren kleinen Kohlpflanzen. Die Männer versuchten noch mit Miniwindmühlen und Patrouillen die Gänse davon zu überzeugen ihren Nahrungsbedarf doch vielleicht wo anders zu stillen. Allerdings musste die Kommunikation unter den Gänsen über unseren wohl schmeckenden Kohl so gut gewesen sein, dass es täglich mehr wurden. Nachts schliefen die Gänse an der nahen Mieleniederung und wenn sie dann ausgeschlafen ihre kleinen Gänse-Äuglein öffneten brauchten sie ein kräftiges Frühstück.

Waren die Männer im Morgengrauen da, um sie zu verjagen, kamen sie später, wenn alle wieder weg waren. Kamen wir später hatten sie sich nicht an das von uns auferlegte Nachtflugverbot für Gänse gehalten und waren schon wieder weg. Es bildeten sich kreisrunde Ufo Landeplätze in dem kein Kohl mehr stand und man nur an Flossenspuren im Marschboden erkennen konnte, dass es sich nicht um Außerirdische sondern Lebewesen mit Schnabel handeln musste. Um den angehenden Bio-Bauern dann nochmal richtig zu ärgern fraßen sie nicht nur kleine Pflanze sondern nahmen vorher auch noch Geschmacksproben. Nicht jede Sorte traf Ihren Gänsegourmet-Gaumen. Es wurden Pflanzen angepickt und ausgerissen. Ein Klassischer Fall von Gänsevandalismus.
Als wir endlich aufgerüstet hatten, um dem Gänsespuk ein Ende zu machen waren sie eines Morgens alle weg. Unsere Miniwindräder mit flatternden Fahnen und Knallfarben, die sich schnarrend im Wind drehten standen verwaist mitten im Kohlfeld. Sie waren weiter gezogen. Gestärkt und voll gefressen mit unserem guten Kohl traten sie nun die Weiterreise nach Sibirien an.

Froh über diese Entwicklung wünschten wir ihnen nur noch einen guten Flug und nicht unbedingt „Auf Wiedersehen“.
Der Regen und das Dschungelklima der letzten Wochen taten dem übrig gebliebenen Kohl gut und er wuchs jeden Tag ein bisschen mehr. Die Schafe, die neben an laufen, würde sicher gerne auch mal Geschmacksproben nehmen aber davon hält sie Gott sei Dank der Elektro Zaun ab. An dem wird auch jeden Tag der Strom geprüft. Nicht nach den Gänsen auch noch die Schafe.
IMG_4293In ein paar Wochen wird der Kohl geerntet. Jeder einzelne Kopf mit der Hand. Er wird vorsichtig in Kisten gepackt und verkauft. Dann wird auch das Café mittags leckere Bio-Kohlsuppe kochen und bei uns gibt es ein paar Lieblingsgerichte, die am besten mit ganz jungem Kohl schmecken.
…und wenn dann die Gänse auf dem Rückflug bei uns Station machen, werden sie sich aber wundern! Dann ist das Feld nämlich abgeerntet und den Rest bekommen die Schafe zu fressen.

1 Kommentar

  • Kappes Birgit

    Da können wir uns ja schon freuen – ab 31.10. sind wir für eine Woche in Büsumer Deichhausen und kommen sicherlich in den Genuss der leckeren Kohlgerichte.
    Ein wirklich gelungener informativer Bericht. Herzlichen Dank dafür und bis demnächst… :)

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