Das Büroimplantat

von Petra Rolfs

die Schäfin

Seit einigen Tagen habe ich ein Klingeln im Ohr. Keine Sorge, dies ist kein Fall für den Hausarzt, sondern meine neueste Errungenschaft, so eine Art „Büroimplantat“ in Form eines Telefon-Headsets. Absolut raumsparend, nahezu grenzenlos mobil, Wind- und Wettertauglich. Und die einzig mögliche Konsequenz auf die Flut von Anrufen, durch die ich jeden Tag wate.
Wie die Kreisleitstelle des Notrufes könnte ich 24 Stunden am Tag in meinem Büro erreichbar sein, um Buchungen und Fragen entgegen zu nehmen. Sollte aber auch gleichzeitig auf dem Hof unterwegs sein. Das ist knifflig.
Der erste Befreiungsschlag war ein Handy mit Rufumleitung. Schafblöken oder Hufgetrappel wurde von den Anrufern nicht als störend, sondern als authentisch empfunden.

Nur das ständige Bimmeln störte die Erholung der Urlauber. Die ultimative Lösung war der Knopf im Ohr. Kein peinliches und nerviges Geklingel mehr in der Jackentasche mit großen Rumgesuche, wo denn nun das Handy ist. Alles bleibt ruhig und wo es ist. Es bimmelt lediglich ganz zart in meinem Ohr.
Ich bin inzwischen Meisterin in der Interpretation der verschiedenen Klingeltöne. Egal ob „Pony krank“ oder „Ferienwohnung dringend benötigt, am besten gestern“, ich bin vorbereitet und sofort in der entsprechenden Richtung unterwegs.
Ein im wahrsten Sinne des Wortes „haariges“ Problem ergibt sich daraus, dass man wegen meiner langen Haare das kleine Teil im Ohr nicht immer sieht. Das zarte Bimmeln höre ja nur ich. Schon öfter stand jemand ratlos vor mir und das Gespräch, das er mit mir führen wollte, ging irgendwie an ihm vorbei…

So zum Beispiel meine Baumannschaft: Eigentlich sollten Farbflächen in einer Ferienwohnung angezeichnet werden. Frau Rolfs sprach dabei aber über Lieferkonditionen und Termine. Glücklicherweise klärte eine meiner MitarbeiterInnen die Situation: „Sie telefoniert nur.“ Alles klar. Kein Grund zur Beunruhigung.
Meine MitarbeiterInnen und die Familie haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ich mitten im Gespräch „Hallo, guten Tag, mein Name ist Petra Rolfs“ sage und dass damit die Fremdkommunikation eingeleitet wird. Man wundert sich immer weniger und denkt sich schon lange nichts mehr bei. Nur der kleine Gäste-Junge, der den kleinen Knopf in meinem Ohr entdeckte und zu seiner Mutter sagte: „Guck mal, Mama, die Frau Rolfs trägt schon ein Hörgerät“, ließ mich ein wenig daran zweifeln, ob ich diesen Preis für meine neu gewonnene Arbeitserleichterung zahlen möchte.

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