Deichnachrichten

aus der Schäferei & Reiterei

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Neue Hofauffahrt fertig!

von Petra Rolfs

Kies im Haufen Immer wenn es ein bisschen still in unserem Blog „Deichnachrichten“ wird und wir „weniger als sonst“ aus unserem Alltag berichten, wird hinter den Kulissen „mehr als sonst“ gearbeitet. So war es auch in den letzten Wochen.

Nachdem wir im Winter die erste Bauphase „Neue Küche und Wintergarten“ zum Saisonanfang abgeschlossen hatten, ging die zweite Bauphase „Neue Hoffauffahrt“ erst so richtig los.

 

„… und warum haben sie das nicht schon viel früher gemacht?“ fragt mich der nette ältere Herr im Café. Ich sitze gerade an diesem Freitagnachmittag vor dem langen Pfingstwochenende etwas geschafft und atemlos in einem der neuen Stühle des gerade mal nicht voll besetzten Kaffeegartens, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und bewundere das fertige Gesamtwerk.  „Ja“ sage ich , „ganz ehrlich, es war ein Haufen Arbeit bis hier her und wir hätten es einfach nicht schneller schaffen können“. Der Herr meint noch, dass das doch gar nicht so schwierig sein könne. Ich widerspreche ihm nicht und lasse die Baumaßnahmen noch einmal kurz Revue passieren.

 

Vor drei Jahren konnten wir das Haus hinter der Reitbahn erwerben. Damit wurde es erst möglich, eine neue Anfahrt zum Hof zu planen. Ämter, Kreise, Gemeinden und Nachbarn wollten gehört und gefragt werden. Ein Haufen Genehmigungen wurden eingeholt und zwischendurch hieß es immer wieder warten … Doch dann ging es los!

 

Zunächst wurde die kleine Straße Richtung „Warwerort“ in der Kurve verbreitert. Schließlich muss nun der komplette Verkehr hier lang.

 

20160428_100427_resized_1Dann musste eine 250 Meter lange Auffahrt über den hinteren Teil der Weide bis zum Hof geführt werden. Diese sollte so befestigt sein, dass nicht nur unsere Café-Gäste sondern auch unsere großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge, LKWs der Zulieferer oder die Abholungen der Saatkartoffeln des Landwirtschaftlichen Betriebes diesen Weg benutzen konnten. Wer jemals in der Marsch Wege gebaut hat weiß oder ahnt, dass der Untergrund sehr solide befestigt sein muss. Sonst geht spätestens im Herbst / Winter nichts mehr. Alles versinkt im Schlamm.

 

Für die 50 Parkplätze galten die gleichen Vorgaben. Riesige Erdhügel und Befestigungs-Material ließen im letzten Sommer den Gerüchten freien Lauf, dass hinter der Reitbahn eine Lagerstätte für ein großes Deichbauprojekt sei. Auf den Parkplätzen wurden als oberste Schicht „Rasengittersteine“ verlegt. In die Zwischenräume kam Mutterboden und Gras-Saat, damit der Bereich später auch ein bisschen grün aussieht und nicht wie der Marktplatz in Heide … Insider wissen, was ich meine J

 

Da wir nun eine Straße quer über die Weide gebaut hatten, war hier ein neuer solider 500 Meter langer Holzzaun fällig. Aber das nur am Rande …

 

Ein ins Leben gerufener „Bau-Außenposten“ auf Hof Ohl Lühr stellte im Heulager derweil 30 gemütliche Holzsessel für den Außenbereich des Cafés fertig und zweigte gleich für den Springplatz auf Hof Ohl Lühr ein paar ab.

 

Der Weg neben der Café-Reitbahn wurde verbreitert, gepflastert und für alle Wetterlagen begehbar gemacht. Anschließend stellten wir vor dem Wintergarten ein wunderschönes Weide-Hoftor aus Holz auf und die neue Holzaußenfassade wurde originell dekoriert.Deko an Außenfassade

 

Der letzte LkW kam am Freitag pünktlich um 8 Uhr morgens mit 25 Tonnen Kieselsteinen, die auf 450qm verteilt und auseinander geschaufelt werden mussten. Nachdem die neuen Sessel und Tische im fast fertigen Kaffeegarten aufgebaut waren, war es geschafft.

 

Jetzt kommen noch Kleinigkeiten: Z.B. wurden kurzfristig zusätzliche Parkschilder besorgt, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Wenn man so fährt „wie immer“ und nicht auf die Parkplatz-Schilder schaut landet man sehr schnell woanders und sicher nicht auf unserem neuen Parkplatz J. Aber unsere treuen Kunden werden sich schnell an die neue Situation gewöhnen und das gefahrlose Ein- und Ausparken zu schätzen wissen. Und nein – auch wenn ich es schon anders gehört habe –  der Weg vom neuen Parkplatz ist nicht länger als der vom alten Parkplatz. (Ich weiß es genau, denn ich habe die Steine, die vom Parkplatz zum Café verbaut wurden, errechnet und bezahlt J)

 

Alles, was jetzt noch fehlt, kommt in nächster Zeit. Ein bisschen Beschilderung, die Go-Cartbahn für die Kinder, die hintere Hofeinfahrt und natürlich unsere „richtige“ Deko für den Kaffeegarten. Ach ja – Wolldecken und Sonnenschirme stehen auch noch auf der Liste. Die ersten Gäste fragten schon: am Freitag nach Sonnenschirmen, am Samstag nach Decken…

 

HoftorSeit Freitag 12 Uhr ist der zweite Bauabschnitt fertig und wir können aus vollem Herzen sagen „GESCHAFFT“. Es war dringend nötig, denn die alte Einfahrt hatte so ihre Tücken. Auch wenn wir 18 Jahre unfallfrei geblieben sind – trotz vieler Kleinkinder oder anderen Lebewesen wie z.B. unserer Hofkatze Herrn Pelzmann. Er hat mit seiner besonderen Art sich einfach irgendwo in die Sonne zu legen und zu schlafen, gerne mal den sonntäglichen Verkehrskollaps bei den abfahrenden Autofahrern ausgelöst. Nur beherztes Eingreifen aus den Reihen der Gäste oder Mitarbeiter konnte schlimmeres verhindern. Es gab ein paar Lackkratzer an parkenden Autos von Go-Cart fahrenden Kindern und ein Mini Go-Cart (ohne Kind!!) wurde beim Ausparken platt gefahren – aber sonst ist nichts passiert. Ein kleines Wunder und ein großes DANKESCHÖN an alle Teckerfahrer, Lieferanten, Cafébesucher mit Auto und Eltern, die gut aufgepasst haben.

 

Jetzt kann der Fahrzeugpark gefahrlos aufgestockt werden und wir freuen uns auf eine schöne unfallfreie Saison J.

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Was ist ein Schafhupferl?

von Petra Rolfs

Torte_853-1Schafhupferl gibt es auf jeden Fall ausschließlich im Cafe der Schäferei & Reiterei Rolfs, das ist gewiss. Wenn Sie nun befürchten, durchs Cafe hüpfende Schafe würden etwa Klauenabdrücke in Ihrer Brotzeit hinterlassen, so seien Sie beruhigt: Das einzige, was hüpft in unserem Cafe, ist Ihr Herz beim Anblick und Genuss der leckeren hausgemachten Spezialitäten. Vielleicht entschlüpft Ihnen auch ein „Määhnsch, lecker!“ Und schon haben wir ein Schafhupferl.

 

Wenn Sie sich ein wenig Bewegung verschaffen möchten, bevor Sie sich auf die nächste Köstlichkeit freuen oder auf eine gute Tasse Kaffee oder Tee, können Sie gerne in unserem Laden stöbern nach Mitbringseln oder sie gucken sich schon Mal einen guten Grund aus, noch einmal wieder zu kommen. Während Sie es sich im Cafe und Laden gut gehen lassen, spielen Ihre Kinder in der angeschlossenen Spielscheune Wichtelhausen. Ein gelungener Ausflug für die ganze Familie!

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… und so ging es weiter!

von Petra Rolfs

20160225_142454_resizedAm Donnerstag ging es dann „in die Vollen“. Den schweren Rotwein am Abend zuvor hatte ich mir gespart und lieber eine leichte Weißweinschorle getrunken. Schließlich mussten am nächsten Tag alle Handwerker koordiniert und ein großes Stück in Richtung Zielpunkt „Freitagmittag“ gegangen werden: Die Anreise der Gäste für ein unbeschwertes Urlaubs-Wochenende.

Irgendwie fühlte es sich die ganze Zeit so an als ob wir noch einen Tag mehr haben. Unter uns – den hätten wir auch gut gebrauchen können. Der „fehlende“ Tag war wahrscheinlich der, an dem wir alle im Betonnebel standen und keiner was gesehen hat. Da wurde die Erinnerung einfach gelöscht. Fakt: Heute war schon Donnerstag.20160225_144820_resized

Jeder, der noch was zu tun hatte, befand sich nun auf der Baustelle. Gut, dass wir ein bisschen größer gebaut haben, denn so fand jeder sein Arbeits-Plätzchen: Hinter und unter dem Tresen lag der Klempner, der Elektriker kämpfte sich durch den Kabelsalat und setzte alles unter Strom, nebenan wurde der Anschluss vom Neubau zum Cafe gefliest, die eine Wand noch gespachtelt und der Tresen verkleidet. Im Anbau kämpfte die Küche-Crew um Arbeitsfähigkeit. Schließlich war für Freitagabend das erste große Buffet vorzubereiten und auf dem neuen Tresen aufzubauen. Wo steht Freitag was und hinter welcher Tür befindet es sich gerade?

Triumphierend kam auch noch der Schornsteinfeger mit dem richtigen Anschlussstück für den neuen Ofen „um die Ecke“ und machte mit dem Einheizen des neuen Ofens die ganze Bude „blau“. Es war zeitweilig auch besser, dass man nicht alles sah, was noch zu tun ist. Und auch die üblichen Zweifler hatten kurze Auftritte. „Wie das soll morgen fertig sein?“ So nahm der Tag Geschwindigkeit auf. Eigentlich ging wenig schief oder es wurde eine gute und vor allem schnelle Lösung gefunden.20160225_185646_resized

Meine Handwerker leisteten großartiges in unglaubliche Geschwindigkeit. Es wurde kein Mittag gemacht und die „Berliner“ am Nachmittag mit einem Kaffee teilweise hinterm Schrank oder auf der Leiter stehend kurz runter gespült. Alle machten einfach immer weiter und weiter und weiter …

Gegen Nachmittag ging dann das große Aufräumen los. Die Baustelle wurde geräumt und unsere Mädels fingen an sauber zu machen. Es war nicht das erste Mal auf dieser Baustelle aber alle hofften, dass es das letzte Mal ist. Routiniert ging es vom Groben bis zum Feinschliff. Gegen Abend brannte inzwischen der Ofen ohne Augenbrennen, der Tresen war fast eingeräumt, alle Maschinen liefen und das Café war als ein solches zu erkennen. Wir waren noch nicht fertig aber wir würden am anderen Tag wieder funktionieren.

Dunkel und ziemlich spät krochen wir alle von der Baustelle. Am anderen Tag sollten nur die Möbel aufgestellt, Lampen aufgehängt und das Café dekoriert werden – fertig!

Nachts träumte ich, dass ein Gast Betonstaub in seinem Kaffee reklamiert: Beim Trinken hätte es geknirscht. Wir kannten inzwischen alle den Geschmack von der Baustelle!
20160226_122102_resizedFreitag. Die Lehmputzwand trocknet – trotz Ofen – nicht so schnell wie sie sollte. Die Lampen werden aufgehängt. Der Hausmeister klebt wie Spidermann unter der Decke, um alles zu elektrifizieren. Frau Sasse sucht immer noch wichtige kaffee-technische Dinge und bereitet das Abendbrot in der schon sauberen Küche zu. Die letzte Deko wird an den Platz gebracht und die ersten Gäste stehen schon vor der Tür. Etwas früher angereist, weil das Wetter so gut ist.

Ab jetzt heißt es: Baustelle fertig – nun ist Määäh-Wochenende! Und die Frage von Gästen, die am letzten Wochenende schon waren und jetzt alles verändert vor finden: „Sagen Sie – wann haben Sie denn in der letzten Woche geschlafen?“, beantworten wir mit dem Satz: „Wir schlafen nur am Monatsende.“ Gut, dass der Februar zu Ende ist!

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Wir schaffen das!

von Petra Rolfs

 

20160220_163018_resizedEs ist kein Geheimnis – seit ein paar Wochen werkeln wir wieder. Dieses Mal an unserem neuen Anbau für das Café sowie der Küchenerweiterung. Und da wir immer wieder zwischendurch Gäste haben, geht das Abschnittsweise voran. Und wie? Montagmorgen wird angefangen und ab Donnerstagmittag sauber gemacht, damit das Cafe am Wochenende wieder rund laufen kann. Natürlich war alles anders geplant. In den Betriebsferien vor Weihnachten sollten die Durchbrüche und großen Arbeiten stattfinden und in den Wochen danach – jeweils von Montag bis Freitag – die kleineren kosmetischen Arbeiten. Aber die Statiker und alle anderen wichtigen Ämter hatten noch durchaus berechtigte Wünsche so dass sich die Baumaßnahmen ein bisschen nach hinten verschoben haben.

Nun hatten wir in den letzten Tagen den umfangreichsten Teil vor uns, der leider auch nur in einem „Hauruck“ durchzuführen ist. Aber lesen Sie selbst …

Es geht los. Am Sonntag spätabends sind die letzten Gäste nach einem tollen Mäh-Wochenende abgereist und die letzten Café-Gäste haben ihren Wochenendausflug bei Kaffee und Kuchen genossen. Nach so einem Wochenende machen wir gerne montags ein bisschen langsamer, weil alle die vergangenen drei Tage ihr ganzes Herzblut in die Versorgung der Gäste und die momentane Lammzeit gesteckt haben. Nicht so am diesem Montagmorgen.

Unser Wintergarten Es ist noch dunkel draußen: Alles was Beine hat und tragen kann schleppt aus dem Café raus, was nicht niet- und nagelfest ist und versucht Dinge hinter Türen zu stellen, die man schließen und – ganz wichtig – abkleben kann. Das sind leider nicht ganz so viele, wie wir es uns in diesem Augenblick wünschen. Die neue Luft- und Leichtigkeit, die unser Cafe nach dem Umbau umgeben soll, hat so ihren Preis z.B. weniger Türen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was alles in einem Café, in der Küche oder den Regalen und Ecken rumsteht. Und die schon aufgebaute Osterdeko wird schön mit Planen eingeklebt und sorgfältig abgedeckt.

Schlag 12 Uhr rückt eine Truppe mit Presslufthammer und schweren Gerät an. Meine Annahme, man würde mit Absauggeräten beim Durchbruch arbeiten, bestätigt sich leider nicht, da die Stahlbetonfundamente des alten Stalles schweres Gerät erfordern. AHA. Wieder was gelernt. Über Stunden versinkt das Café in einer Schicht aus Betonstaub, Lärm und Schutt …

Gegen Nachmittag erblickt man an den großen Fenstern im neuen Anbau wieder etwas Tageslicht. Die anwesenden Mitarbeiter sehen aus, wie nach einem Erdbeben und fühlen sich auch so. Wenn man ihnen durch die Haare fährt, bleiben diese einfach so stehen. Und abends werden die Schlämme fast meinen Abfluss verstopfen. Aber das nur am Rande …

Langsam senkt sich eine 2cm dicke Staubschicht auf alles was sich in dem Raum befindet. Meine Vorstellungskraft über das Ausmaß dieses Eingriffes hat bis dato nicht ausgereicht. Und ich habe wirklich sehr viel Fantasie…
Abends schreibe ich allen Mitarbeitern, die heute nicht da waren, eine WhatsApp Nachricht, um sie auf den nächsten Tag vorzubereiten. In dieser steht der Tagesablauf so ähnlich wie oben erzählt und ich bitte darum, morgen beim Erscheinen nicht irgendetwas wie „Oh Gott“ oder „Ach du große Sch…“ zu sagen. Es ist nur positives Feedback erwünscht z.B.: „Oh so weit seid Ihr schon“.

Sie versprechen abends noch zu üben, damit es auch glaubwürdig und flüssig rüberkommt. Marion, die die Dekoabteilung unter sich hat, schreibt noch, ihr Mann wäre gerade vorbei gejoggt, das Licht wäre aus gewesen und es hätte ganz friedlich ausgesehen.

Dienstag. Schutt schaufeln – Staub wischen kann man das nicht nennen. Wir saugen mit zwei Baustaubsaugern Schneisen und Laufwege in das Café. Die Tischlerin kommt um den „Zauberschrank“ einzubauen (lassen Sie sich überraschen ;) und fragt unvorbereitet, wann wir wieder eröffnen wollen. Ich sage Freitag. Sie darauf: „Aber sicher nicht diesen!“. Ich hätte ihr auch eine WhatsApp-Nachricht schicken sollen.

Durchbruch fast fertig.Der Bautrupp fängt an ein bisschen Feinschliff in den groben Abriss zu bringen…
Mittwoch. Die Jungs, die den Gasanschluss umlegen müssen, kommen mit einem Minibagger und wühlen vor dem Eingang einen Graben, der schon zur echten Falle für Katzen und Gäste werden könnte. Schauen wir mal. Im Anschluss tragen alle, die durch den Eingang kommen, große Mengen Matschboden an den Schuhen, der sich im Café mit dem Betonstaub mischt. Es bildet sich eine Masse, die man sicher in der Jahreszeitwerkstatt super zu Matschmonstern oder ähnlichen Figuren zusammenfügen könnte.

Weitere Handwerker tauchen auf: Vor meiner neuen Eingangstür, die seit Freitag eingebaut ist, stehen zwei Mitarbeiter des Herstellers mit den Händen in den Hosentaschen und finden meine dokumentierte Reklamation der Tür „mysteriös“. Die „Mysteriösität“ erschließt sich mir nicht: Die Tür geht einfach nicht zu. Für eine Haupteingangstür nicht unbedingt ideal. Sie versprechen früher oder später Abhilfe. Auf die Zeit kommt es gerade nicht an: Wer würde schon den Weg über Türme von Matschhaufen wählen. Zum jetzigen Zeitpunkt brauchen wir sie nicht einmal abzuschließen.

Der Großeinsatz beinhaltete noch ein paar kleinere Durchbrüche, die nachgearbeitet werden müssen. Dafür kommt eine „Lichtgestalt der Kernbohrung,“ die mit einem Staubsauger an dem Bohrgestänge (!!) auch in der Küche zwei große Runde Löcher durch die Wände bohrt. Hier sind Zu- und Abluft für die Küche geplant. Ich kann es kaum fassen, dass nur so wenig Staub und Dreck entsteht. Bewundernd stehe ich vor ihm bis er beim zweiten Loch zielsicher die Strom-Hauptleitung trifft und die Frage, ob jemand den Lichtschalter ausgemacht hat, sich damit erübrigt.

Tapfer streicht ein Mitarbeiter die Rückwand hinterm Tresen im Dunkeln weiter, da die Tresen-Installation nur vor der gestrichenen Wand erfolgen kann. Das soll sich, nachdem wir wieder Strom und Licht haben, als modernes Zebra-Streifenmuster herausstellen und wird gleich noch einmal überstrichen. Fazit: Gutes Licht wird beim Streichen nicht überbewertet.

Inzwischen nimmt der Tresen Formen an. Die unglaublich großen Platten bekommen einen Unterbau und alle Strom- und Abwasserleitungen müssen unter dem Tresen verlegt werden. Nachts war mir dann doch noch eingefallen, dass wir einen Abfluss für die Cappuccino Maschine vergessen hatten. Besser jetzt als später … 

Die komplette Jahreszeitenwerkstatt steht mit elektrifizierten Gurkengläsern voll. Das sind die Gläser, die wir vor Weihnachten gesammelt haben. Die Bretter von denen sie abgehängt werden, müssen von den Mitarbeitern gebeizt und mit Löchern versehen werden. Wir beschließen dieses Großprojekt der Tresenbeleuchtung auf nächste Woche zu verschieben und haben damit das Problem, dass nun keiner weiß, wo wir die ganzen Gurkengläser hinstellen sollen. Schließlich wird die Jahreszeitenwerkstatt am kommenden Wochenende gebraucht. Die Lösung: Jeder nimmt 10 Stück mit Nachhause und passt gut auf sie auf. Dann kann ja nichts passieren.

...da fehlt was ! Am Abend soll nun noch der neue Bullerjahn angeschlossen werden. Ich sehe mich in Gedanken in einem der schönen neuen Korbstühle vor dem prasselnden Feuer sitzen (nachdem sich der Rauch des Einbrennens verzogen hat) und mit einem Glas Rotwein auf den guten Verlauf der Baustelle anstoßen. Doch erstens kommt immer alles anders und zweitens als frau denkt. Ich hatte genau den gleichen Ofen bestellt wie den, den wir schon haben. Leider hat die Firma inzwischen aufgrund von veränderten zugelassenen Abgaswerten die Abluftrohre geändert. Damit passen unsere Anschluss-Stücke nicht mehr. Leider haben sie versäumt, mir dies mitzuteilen. Sie geben es zumindest zu. Ich traue mich heute Abend nicht mehr nach den Lieferzeiten der Rohre zu fragen. Wenn diese so lange sind wie die für den Ofen, sitzen wir Pfingsten noch mit den Terassenstrahlern im Wintergarten. Vielleicht jetzt doch ein Rotwein – aber auf dem Sofa.

Fortsetzung folgt …

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Waschen-Legen-Föhnen

von Petra Rolfs

Oona am WaschtagEs ist Lammzeit und wie man sich vorstellen kann, unglaublich viel zu tun. 600 Mutter-Schafe sind in den Stallungen der Schäferei Rolfs und haben in den nächsten Wochen „Geburts-Termin“. Das heißt: 24 Stunden Rund-um-Betreuung. Und dann gibt es zusätzlich über 300 Schafe, die noch ein bisschen Zeit haben, bis sie ihre Lämmer erwarten. Diese sind auf den Weiden und Kleegrasflächen rund um den Hof und ein bisschen in Dithmarschen verteilt. Aber auch diese wollen betreut sein: es müssen neue Flächen eingezäunt, sie jeden Tag beaufsichtigt, umgeweidet und kontrolliert werden.

Für diese Arbeit und speziell zum Umweiden brauchen wir besonders ausgebildete Mitarbeiter: Unsere Border Collies. Eine Hunderasse, die von den Engländern für die Arbeit mit den Schafen gezüchtet worden ist. Sie sind echte Workaholics und es gibt für sie nichts Schöneres als Schafe von A nach B zu bringen, beim Einpferchen zu helfen oder nur im Stall darauf zu warten, daß sich „irgendein Job“ ergibt. Für sie gibt kein schlechtes Wetter und kein „Heute ist es zu kalt – ich mag jetzt nicht!“ Wenn es endlich los geht gibt es für die Border kein Halten mehr.

Derjenige, der sie zu den Schafen mitnimmt und sie dort arbeiten lässt, ist ihr bester Freund. Oona, unsere älteste Border Collie Dame, ist immer besonders engagiert. Heute sollten Schafe umgeweidet werden und sie gab wie immer alles. Aber die Schafe liefen nicht ganz den Weg, der eingeplant war, und Oona versuchte abzukürzen, um schneller zu sein. Der kürzeste Weg war durch den Graben mit tiefstem Morast und so schaffte sie es vor die Herde zu gelangen und diese wieder auf den rechten Weg zu leiten. Jedenfalls waren die Schafe am Ende da wo sie hin sollten. Nur Oona sah erbärmlich aus und wie sie roch wollen wir gar nicht erst beschreiben. Der morastige Graben hatte nicht nur sichtbare Spuren hinterlassen…

Auf dem Hof Ohl Lühr, wo die meisten Ponies und Pferde um diese Zeit leben, gibt es großräumige Pferdeduschen. Es versteht sich, dass man so eine Hunde-Wasch-Aktion nicht gerne in der eigenen Dusche veranstaltet zumal aus der Riesendusche nicht nur kaltes Wasser kommt sondern man es angenehm temperieren kann. Den Hund also in den großen Bottich gehoben, der Schäfer die Gummihose an, das teure Pferde-Shampoo eingesetzt und Oona sah wieder wie neu aus. Auch wenn sie dabei vielleicht ein bisschen unglücklich geschaut hat.

Und im Anschluss konnte der nasse Hund auch ganz entspannt in der Waschküche auf den alten, ausrangierten Decken der Ferienwohnungen wieder trocknen.

Welches gute Shampoo der Schäfer nach dieser Waschaktion benutzt hat, weiß man nicht. Denn der roch nach der Aktion nicht nur nach Schaf sondern auch noch nach nassem Modder-Hund und musste erst mal duschen. Aber wohl nicht in der Pferdedusche. Jedenfalls haben wir davon kein Foto

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Wichtige Gästefragen!

von Petra Rolfs

photocaseo8i6kbal50889891Ein großer Teil meines Jobs besteht unter anderen darin, Gästen am Telefon ihre brennenden Fragen zu beantworten. Ich mache das wirklich gerne doch manchmal reicht der Tag dafür nicht aus. Daher versuchen wir seit langem auf unserer Homepage durch „Fragen und Antworten“ die meisten Dinge kurzweilig und informativ vorab zu klären.

Aber es gibt Fragen, die wir wohl noch nicht ausführlich auf unserer Website erklärt haben; z.B. diese: „Wie sicher sind die Kinder auf dem Hof, beim Tiere füttern und kuscheln, in den Wohnungen oder im Garten?“

Spontan möchte ich dazu immer sagen: „Ich gebe Ihnen eine 99,9%ige Sicherheit, dass Sie und Ihre Kinder viele schöne und gemeinsame Erlebnisse während Ihres Urlaubs in der Schäferei Rolfs haben werden.“ Diese Zahl habe ich mir nicht ausgedacht, sondern aus den Rückmeldungen, errechnet, die die Gäste geben, wenn sie mit ihren quietsch vergnügten und völlig intakten Kindern zufrieden nach Hause fahren, um im nächsten Jahr voller Vorfreude wieder zu kommen.

Aber im Ernst: Die Ferienwohnungen sind ein Teil des Bauernhofs, der aus Schäferei, Reiterei, Landwirtschaft und den Feriengästen besteht. Dieser Bauernhof wiederum steht am Ortsrand von Büsumer Deichhausen und ist ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Und deshalb sperren wir hier niemand aus oder ein. Bis auf einige der Tiere natürlich… Die Schafe zum Beispiel. Denn das sind einfach zu viele, die nicht nur die Straßen verstopfen sondern auch in den Gärten wildern würden. Oder die Ponys, die sonst den ganzen Tag spazieren gehen, den Urlaubern das Picknick aus der Tasche ziehen und ihren Job vernachlässigen würden.

Aber die frei lebenden Tiere wie Igel, Hase oder Reh haben bei uns jederzeit Zutritt. So kann es passieren, dass Sie Ihren Kindern in der Dämmerung einen echten Igel zeigen können – was für eine Chance! Oder ein Reh, das vor der Terrasse steht! Oder die wilden Fasane, die abends mit einem riesigen Getöse (unter uns: es klingt wie ein völlig verstimmtes Musikinstrument) sich die Nachtplätze in den großen Bäumen um den Hof suchen, um dort sicher zu schlafen. Die Natur findet hier direkt vor dem Fenster statt und nicht nur im Fernsehen. 

Welche Sicherheitsrisiken in diesen Fällen für die Kinder bestehen, überlasse ich der Beurteilung der jeweiligen Erziehungsberechtigten …

Eine in den letzten Tagen am Telefon gestellte Gästefrage machte mich allerdings etwas ratlos. Eine besorgte Mutter fragte, ob ihr Baby denn im Garten weg krabbeln könnte!? Normalerweise bin ich selten sprachlos oder um eine Antwort verlegen. In diesem Fall schon. Nein, unser Gartenzaun ist nicht so engmaschig, dass nicht Babys auf der Flucht hindurchpassen würden. Aber irgendwie dachte ich mir als Mutter von vier Kinder, die inzwischen alle ohne nicht händelbare Fluchtversuche unbeschadet das Erwachsenenalter erreicht haben, es wird sich auch in Zukunft nicht ändern, dass man Kindern in bestimmten Altersstufen eine gewisse Aufmerksamkeit schenken sollte.

Gesagt habe ich dann aber nur: „Ja – aber erfahrungsgemäß krabbeln die meisten Babys erst am Morgen nach der – erlaubt – feuchtfröhlichen 18. Geburtstagsparty von ihren Eltern weg.“

Ich glaube nicht, dass die besorgte Mutter damit vollständig zufrieden war – aber mir fiel einfach nichts anderes dazu ein. Und auf unserer Website wird diese Frage sicher nicht landen …

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Ich war schon da!

von Petra Rolfs

ich_war_schonWie heißt es so schön? Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Auch in unseren Ferienwohnungen. Denn wo Familien Urlaub machen, passieren einfach Dinge, die Spuren hinterlassen. Jeder, der Kinder hat, weiß das! Und jeder, der Ferienwohnungen an Familien mit Kindern vermietet, auch. Das hat uns eine neue Idee entwickeln lassen.

Kratzer auf dem Fernseher, Wachsmalkreide an Holzvertäfelungen – normalerweise haben wir ein gut ausgerüstetes „Instandsetzungsteam“ mit Fleckenlösern und Polituren, die viele Macken wieder ohne großes Aufsehen in Ordnung bringen können. Aber manchmal sind die Schäden doch etwas größer und nicht gleich reparabel. Dafür gibt es ja glücklicherweise die Familien-Haftpflicht-Versicherung. :)

Doch dann gibt es noch den Fall, dass erst am Saisonende eine Komplettlösung geschaffen werden kann. Was passiert nun? Ein Beispiel:
Sie sitzen am zweiten oder dritten Urlaubs-Tag völlig entspannt auf dem gemütlichen Sofa, lesen ein gutes Buch und in einer stillen Gedenkminute fällt der Blick auf die Tapete direkt neben dem Sofa. Das dezente Blätter-Ranken-Muster in Grüntönen ist an einer Stelle sauber mit einem roten Filzschreiber etwas „aufgepeppt“ worden. Eindeutig kindliche Kreativität! Sie erstarren, gehen gedanklich den Spielzeugkoffer der eigenen Kinder durch: „Befindet sich ein roter Filzmalstift in den mitgenommenen Utensilien?“

Es gibt immer Familienmitglieder, die man sofort freisprechen kann. Und dann gibt es immer einzelne kleine Personen, die bei solchen Dingen „unter Generalverdacht“ stehen. Bevor jetzt der Stress losgeht und Sie versuchen, Verdächtige zu verhören um eine klare „Täterananalyse“ zu erstellen, entdecken Sie einen kleinen Button neben der Schadstelle, auf dem steht: „Ich war schon!“. Völlig entspannt können Sie sich nun zurücklehnen, weiterlesen und jedenfalls der Urlaubstag hat „keinen Kratzer“ bekommen. Der Familienfrieden bleibt noch etwas erhalten.

Diese kleine Buttons werden ab jetzt auf Schäden geklebt, die bekannt sind und einfach nicht kurzfristig repariert werden können. Für unsere Gäste heißt das:

  • Ich weiß, dass ich keine Verantwortung übernehmen muss. Das beruhigt immer.
  • Ich weiß, dass nicht nur meine Kinder Blödsinn machen. Das ist beruhigt auch sehr! Es heißt aber nicht, dass die Wand nun für eine größere Verschönerungsaktion frei gegeben wurde.

Vielleicht kann man die Chance als verantwortlicher Familienmensch bei der nächsten Gelegenheit nutzen, diese Tätigkeit als einfach „ sollten wir besser nicht tun“ einzustufen. So kann man dem Ärger, den so was immer macht, vielleicht schon vorn vorneherein entgegentreten und damit für die Zukunft ausschließen. Jedenfalls in Ferienwohnungen. :)

Damit haben wir also einen in jede Richtung sehr nützlichen Button erfunden und schauen mal, wie er unseren Gästen gefällt. :-)

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Urlaub auf dem Bauernhof Nordsee

von Petra Rolfs

Urlaub auf dem Bauernhof: Nordsee, viel Natur und Entspannung purUrlaub auf dem bauernhof nordsee

Den perfekten Urlaub auf dem Bauernhof Nordsee zu machen, ist eigentlich ganz leicht. Kinder brauchen Platz zum Spielen und Toben, sollen die Möglichkeit haben, auf Entdeckungstour gehen zu können und sich abends auf den nächsten Tag freuen können. Die Nordsee bietet sich bei diesen Voraussetzungen als Ziel für einen Familienurlaub geradezu an. Das Wattenmeer ist leicht von ganz Deutschland aus mit dem Auto oder Zug zu erreichen und hat für die ganze Familie viel zu bieten.

Abenteuerspielplatz Wattenmeer

Zwischen Dänemark und den Niederlanden erstreckt sich das deutsche Wattenmeer der Nordsee, eine große und einzigartige Naturlandschaft, die von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde und nicht nur die Landschaft, sondern auch das Leben der Menschen an der Küste auf vielfältige Weise prägt. Für Familien ist das Wattenmeer ein riesiger Abenteuerspielplatz. Hier kann man ganz ohne Tauchausrüstung auf dem Meeresboden spazieren gehen, im Schlick die verschiedenen Bewohner beobachten und mit einer kindgerechten Führung die Tiere aus dem Meeresboden ausgraben, Muscheln sammeln und zuschauen, wie aus Wasser Land und aus Land Wasser wird.
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Was macht eigentlich unser Bio-Kohl ?

von Petra Rolfs

 

IMG_4290Nachdem wir ihn gepflanzt hatten, hatte er erst eine etwas schwere Zeit. Die kleinen Pflänzchen kamen aus der Anzucht versehen mit einem kleinen Wurzelballen mit Erde. Und so werden sie auch in die Erde gepflanzt. Dann kam der Augenblick wo Regen und Trockenheit und vor allem der Dithmarscher Wind ihnen das Leben schwer machte. Bis dahin mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgt, musste der kleine Kohl nun anfangen Wurzeln in der guten Dithmarscher Erde zu bilden, um sich damit selber zu versorgen. Als dann nicht genügend Regen fiel, lagen viele Kohlpflanzen schlapp auf dem Feld und sahen wirklich nicht gut aus. Das war dann der Zeitpunkt, wo wir den jungen angehenden BIO-Bauer für drei Tage in Urlaub geschickt haben. :-) Wäre er vorbei gefahren hätte er sich wahrscheinlich gleich selber daneben gelegt, was wir dringend vermeiden wollten.
Wenn man „das Spiel“ kennt, weiß man, dass irgendwann nach ein paar Tagen die kleine Pflanze es geschafft hat und angewachsen ist. So war es auch dieses Mal. Da gibt es kein Unterschied zwischen Bio und normalen Kohl.
Nachdem sich nun die kleinen Wurzeln gebildet hatten und den guten Boden zu fassen bekamen, wuchs er los. Er trotzte Wind und Regen – davon hatten wir wirklich genug – und fing an, in der Mitte einen Kopf zu bilden, den wir dann später ernten wollen :)
Aber es lauerten noch mehr Gefahren: Der Anwachsstress war gerade gut überstanden, da kamen hunderte von „Weißwangen-Gänse“ auf der Vogelzuglinie durch das Naturschutzgebiet im Speicherkoog geflogen und entdeckten auf den angrenzenden Feldern leider auch unseren Bio.-Kohl.Bio-Kohl
Die Gänse fraßen mit großen Appetit einige tausend von unseren kleinen Kohlpflanzen. Die Männer versuchten noch mit Miniwindmühlen und Patrouillen die Gänse davon zu überzeugen ihren Nahrungsbedarf doch vielleicht wo anders zu stillen. Allerdings musste die Kommunikation unter den Gänsen über unseren wohl schmeckenden Kohl so gut gewesen sein, dass es täglich mehr wurden. Nachts schliefen die Gänse an der nahen Mieleniederung und wenn sie dann ausgeschlafen ihre kleinen Gänse-Äuglein öffneten brauchten sie ein kräftiges Frühstück.

Waren die Männer im Morgengrauen da, um sie zu verjagen, kamen sie später, wenn alle wieder weg waren. Kamen wir später hatten sie sich nicht an das von uns auferlegte Nachtflugverbot für Gänse gehalten und waren schon wieder weg. Es bildeten sich kreisrunde Ufo Landeplätze in dem kein Kohl mehr stand und man nur an Flossenspuren im Marschboden erkennen konnte, dass es sich nicht um Außerirdische sondern Lebewesen mit Schnabel handeln musste. Um den angehenden Bio-Bauern dann nochmal richtig zu ärgern fraßen sie nicht nur kleine Pflanze sondern nahmen vorher auch noch Geschmacksproben. Nicht jede Sorte traf Ihren Gänsegourmet-Gaumen. Es wurden Pflanzen angepickt und ausgerissen. Ein Klassischer Fall von Gänsevandalismus.
Als wir endlich aufgerüstet hatten, um dem Gänsespuk ein Ende zu machen waren sie eines Morgens alle weg. Unsere Miniwindräder mit flatternden Fahnen und Knallfarben, die sich schnarrend im Wind drehten standen verwaist mitten im Kohlfeld. Sie waren weiter gezogen. Gestärkt und voll gefressen mit unserem guten Kohl traten sie nun die Weiterreise nach Sibirien an.

Froh über diese Entwicklung wünschten wir ihnen nur noch einen guten Flug und nicht unbedingt „Auf Wiedersehen“.
Der Regen und das Dschungelklima der letzten Wochen taten dem übrig gebliebenen Kohl gut und er wuchs jeden Tag ein bisschen mehr. Die Schafe, die neben an laufen, würde sicher gerne auch mal Geschmacksproben nehmen aber davon hält sie Gott sei Dank der Elektro Zaun ab. An dem wird auch jeden Tag der Strom geprüft. Nicht nach den Gänsen auch noch die Schafe.
IMG_4293In ein paar Wochen wird der Kohl geerntet. Jeder einzelne Kopf mit der Hand. Er wird vorsichtig in Kisten gepackt und verkauft. Dann wird auch das Café mittags leckere Bio-Kohlsuppe kochen und bei uns gibt es ein paar Lieblingsgerichte, die am besten mit ganz jungem Kohl schmecken.
…und wenn dann die Gänse auf dem Rückflug bei uns Station machen, werden sie sich aber wundern! Dann ist das Feld nämlich abgeerntet und den Rest bekommen die Schafe zu fressen.

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Jonte, die Tänzerin auf dem Deich

von Petra Rolfs

Jonte-2015
Vor langer Zeit hat unsere „Lena“ als Schäferlehrling auf dem Hof angefangen und war damit für die Aufzucht der allerkleinsten Lämmer zuständig. In der Lammzeit gibt es immer kleine Schafe, die aus Drillingsgeburten stammen und deshalb der Mutter abgenommen werden, damit sie einen besseren Start haben. Warum ist das nötig? Ganz einfach – Lammmütter haben nur zwei Zitzen. Dann gibt es noch verwaiste Lämmchen, die den Anschluss verloren haben und vom Schäfer mit der Flasche aufgezogen werden müssen. Wir nennen sie die Flaschenlämmer oder Handlämmer.

Jonte war so ein ganz besonders kleines Miniaturschaf, absolut winzig, aber mit einem riesigen Lebenswillen. Lena nahm sich ihrer an und beschloss: Jonte sollte es schaffen. Aber besondere Ziele erfordern auch besonderen Einsatz…
Montags war immer Berufsschule für die angehenden Schäfer und Lena musste nach Meldorf zur Schule. Außerdem sollte sie dort an diesem Tag auch noch einen Vortrag halten. In der Schäferei ging es wie immer in der Lammzeit wirklich hoch her und Lena machte sich Sorgen, dass Jonte nicht alle zwei Stunden ihre wirklich dringend benötigte Milch bekommen würde. Gerade bei so kleinen Winzlingen sind viele kleine Mahlzeiten die einzige Chance zu überleben. Also nahm Lena das Lämmchen kurzerhand mit nach Meldorf. Hier sollte Jonte im Auto auf Lena warten und alle zwei Stunden wollte Lena zum Füttern raus gehen. Das war der Plan.
Allein gelassen im Auto fing das Lämmchen furchtbar an zu schreien. Auch ein kleines Lamm ist ja schließlich schon ein Herdentier… Ein vorbeigehender Passant hielt das Schreien für Kinderweinen und verständigte besorgt und auch ein wenig empört das Schulbüro. Minuten später ertönte per Schullautsprecher die Ansage, man möge das allein gelassene Kind sofort aus dem Auto holen. Lena rannte, um „ihr Kind“ zu holen. Im Klassenraum wich Jonte Lena nicht mehr von der Seite. Nur nicht wieder den Anschluss verlieren! So musste Lena ihren Vortrag mit dem Lämmchen auf dem Arm halten. Bei dem Vortrag ging es eigentlich um Weizen. Gelernt haben die Schüler an dem Tag aber etwas über Schafe und das blieb bestimmt in Erinnerung.

Als Jonte dann größer wurde, war sie oft Lenas ständiger Begleiter und der Star in den Kursen der Jahreszeitenwerkstatt. Sie ließ sich ausgiebig von den Kindern kraulen und war immer für ein Späßchen zu haben. Sie konnte gleichzeitig mit allen vier Füßen in die Luft springen und dann so komisch hopsen, dass immer alle lachen mussten. Bei einem kleinen Schaf sieht das wirklich putzig aus und alle feierten Jonte als Superstar, wenn sie mal wieder ihren „Schafstanz“ aufführte. Je größer und schwerer sie allerdings wurde, desto mehr Sorgen machten sich die Zuschauer, ob mit dem Schaf auch wirklich alles in Ordnung sei. Eltern nahmen vorsichtiger Weise kleine Kinder und Hunde auf den Arm, man weiß ja nie…

Jontes Superstar Allüren machten auch dem Hütehund bei der Ausübung seines Jobs Probleme. Schafe lassen sich von Hütehunden hüten, weil er ihnen durch den Blick signalisiert, er wäre ein Wolf und sie müssten sich fürchten. So lassen sich Schafe von dem Hütehund allein durch Blicke in verschiedene Richtungen bewegen. Jonte kannte den Hütehund richtig gut. War sie doch auf vielen Events zusammen mit ihm unterwegs gewesen. Und die Show muss ja schließlich weiter gehen: Ein Blick vom Hütehund und Jonte führte ihr Tänzchen auf. Tja…

Von anderen Schafen hielt sie wenig. Sie kannte Lena, den Hütehund, die Gästekinder und die meisten anderen tierischen Bewohner des Hofes von ihren Rundgängen durch die Ställe.

Als sie groß war, beschlossen wir, dass sie nun ein richtiges Schaf werden sollte und sich in der Herde wohlfühlen würde – wie alle anderen auch. Wir brachten sie in den Speicherkoog zu einer Herde, die wenig Menschenkontakt hat, damit Jonte nicht gleich den ersten Spaziergänger mit ihrem kleinen Schafstänzchen erschreckt und womöglich einen Polizeieinsatz auslöst. Als wir gingen, fühlten wir uns, als ob wir Jonte ausgesetzt hätten…
Doch Jonte fand wohl Freunde unter den Schafen, denn im Winter kam sie hochtragend mit der Herde nach Hause. Jonte übernahm auch im Schafstall als Mutter wieder ihre Rolle als Animateurin. Sie stand mit den Vorderbeinen auf der Schafshocke und lies sich kraulen, fraß Apfelgripse aus der Hand. Und moppte respektlos den Hütehund.
Inzwischen ist sie schon lange nicht mehr so zahm wie früher, sie ist ein richtiges Herdenmitglied geworden und eine gute Schafmutter. Sie baggert nicht mehr jeden Menschen an und tanzen sehen wir sie auch nicht. Wir glauben jedoch, dass manchmal, wenn es dunkel ist auf dem Deich und alles schläft in Büsumer Deichhausen, die Schafe bei Vollmond wilde Partys feiern: Dann tanzen sie alle Jontes Schafstanz!
Und hin und wieder kann sie es auch nicht lassen, Ausschau nach den Zweibeinern zu halten. So ganz verleugnen kann man die Jugendzeit dann doch nicht :)

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