Oona, Hütehund aus Leidenschaft

von Petra Rolfs

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Sie ist im Augenblick (fast) die wichtigste Mitarbeiterin auf dem Hof: Border Collie Oona, Hütehund von Beruf. Unersetzlich, wenn es darum geht, Schafe von H wie Hof nach D wie Deich oder auch nur von A nach B zu bringen.

Oona ist ein echter Workaholic, so ist sie in ihrer Freizeit unter anderem in der Gästebetreuung unterwegs. Als Animateurin sozusagen. Oonas favorisierte Nummer: „Ich bin so ein armer Hund und werde nie gekrault, guck mal, was ich mache.“ Und schwupps liegt sie auf dem Rücken und hält dem unvorbereiteten und deshalb überraschten Besucher einen weichen Hundebauch zum Kraulen hin.

Oona kam erst mit sechs Jahren zu uns. Bis dahin war sie mit mehreren Besitzern unterwegs. Auch auf so genannten Hütehund-Trails, wo der Hund eine festgelegte Aufgabe bekommt, wie und auf welchem Weg die Schafe um Hindernisse herumzutreiben sind und dann in den Pferch. Alles auf Kommando und ohne Abweichung bitte.

Und damit hatte Oona ein Problem, allerdings ein leicht lösbares – für Oona zumindest: Oona sieht auf der einen Seite die Schafe, auf der anderen Seite den Pferch. Und sie sieht auch gleich den schnellstmöglichen Weg, Schafe und Pferch zusammenzubringen. Ein sehr zeitsparendes Verfahren, aber leider in diesem Fall absolut am Thema vorbei. Dies brachte ihre vorherigen Besitzer fast zur Verzweiflung.

Also suchte ihr letztes Herrchen nach einem netten Schäfer mit genügend Arbeit für einen Hund wie Oona. Denn in einer Schäferei ist es nur wichtig, dass die Schafe am Ende da sind, wo man sie haben will. Ob sie nun links um den Urlauber oder rechts um den Urlauber herum laufen und dann in den Pferch finden, ist nicht von Bedeutung.

Ein anders Problem hatte Oona allerdings zu Anfang auch bei uns: In den Hütehund-Trails ist auch die Anzahl der Schafe, die in den Pferch zu treiben wären, vorher festgelegt, nämlich immer sechs.

Was also macht unsere Oona? Der Schäfer schickt sie los, die Schafe zu holen und sie kommt superstolz mit den Schafen zurück – allerdings nur mit sechs. Die anderen 144 stehen noch etwas ratlos am Startpunkt und warteten auf die Dinge, die da kommen sollten. Bei dieser Stückzahl hätte Oona 24-mal losgemusst zum Schafe holen. Und kaum wär die Nacht vorbei gewesen, wären dann auch schon alle Schafe in ihrem Pferch gewesen.

Im Gegensatz zu Oonas Abkürzungsmethode war diese Methode also wenig effizient. Es bestand Erklärungsbedarf.

Doch Oona ist unglaublich klug und mit ein bisschen Übung hatte sie schnell den Dreh raus, wie bei uns gearbeitet wird. Eigenständigkeit wird durchaus gefördert, Fehler werden ohne Aufhebens korrigiert und Spass und Leidenschaft für die Arbeit ist unbedingt erwünscht.

Dann können sich die Mitarbeiter auch gerne mal den Bauch kraulen lassen.

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