Zahme Fasane – die Fortsetzung

von Petra Rolfs

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Sicher wollen Sie wissen, wie die Geschichte von zahmen Fasanen und wilden Hühnern weiterging.

Die Zeit war schnell gekommen, dass die kleinen Fasane groß genug waren, um Wichtelhausen zu verlassen. Zusammen mit ihrer ‚Hühnermutter‘ zogen sie in den großen Hühnerauslauf. Die kleinen Fasane waren schon recht selbstständig, so dass wir uns keine großen Sorgen machen mussten, ob sie sich zurechtfinden würden.

Die Hühnermutter freute sich gleich über die vielen alten Hühnerkumpels im Stall und war dann auch sofort mit auf der Piste. Und los.

Die kleinen Fasane – etwas überfordert mit der großen Freiheit – rasten ein paar Mal durch den Stall, bis der Ausgang gefunden war. Dann zwischen den Stäben des Zaunes hindurch und mit einem kleinen Gleitflug waren sie auch schon verschwunden im Weizenfeld. Na prima, dachte ich noch. Das ist ja richtig spannend gelaufen. Alle auf und davon.

Jeden Abend gibt es bei Anbruch der Dunkelheit einen kleinen Hühnermarsch in den Stall, dann ist Hühnerzubettgehzeit. Alle setzen sich auf die Stangen, stecken ihre Köpfe in die Federn und warten darauf, dass die Tür geschlossen wird, damit sie in Sicherheit sind und der Fuchs sie nicht holt.

Als ich am Ende des zweiten Tages meine Hühner zu Bett bringen wollte, kam ich um die Ecke der großen Hühnertür und da stand ein kleines Fasanenmädchen im großen Eingang und äugte mit langen Hals in den Stall, wo alle Hühner schon auf der Stange saßen.

Man konnte richtig sehen, wie sie überlegte, ob sie nun in den Stall zu den Hühnern oder doch vielleicht lieber draußen schlafen sollte. Mein Erscheinen beendete die Überlegung kurzfristig. So schnell sie ihre kleinen dünnen Fasanenbeine trugen, haute sie lieber wieder ab, bevor die Tür doch noch geschlossen werden würde.

Wahrscheinlich war die Nacht kalt und dunkel und sie ziemlich alleine. Wer weiß, wo sich ihre Geschwister schon rumtrieben.

Am anderen Tag ging ich einfach noch etwas später Richtung Hühnerstall und tatsächlich hatte sie es sich überlegt: Ganz unten in der Ecke hockte das kleine Fasanenmädchen, hatte ihren Kopf unter die Federn gesteckt und schlief mit den Hühnern in einem Stall. Fühnchen hab ich sie gleich getauft, so klein und farblos wie sie gegen die Hühner aussah. Man konnte sie in der Dämmerung kaum sehen.

Jeden Abend war sie pünktlich zum Türschluss anwesend und arbeitete sich langsam von der untersten Ebene eine Hühnerstange nach der anderen nach oben. Fasane schlafen nicht gerne auf dem Fußboden, sie fühlen sich nur sicher, wenn sie auf hohen Bäumen schlafen. Wer weiß, was im Hühnerstall normalerweise so abgeht, wenn Neue kommen, da wird sicher nicht nur gepickt, da wird gepickt und gehackt, da bekommt das Wort Mobbing eine ganz neue Dimension.

Es muss sehr schwer für das kleine Fasanenmädchen gewesen sein, sich nach oben zu arbeiten. Wer auf der obersten Stange im Hühnerstall sitzt, der hat es geschafft.

Das sitzen die Führungskräfte im Hühnerauslauf, allen voran Caruso, der lautstarke Hofhahn. Meine Theorie ist, dass die kleine Fasanenhenne immer noch gut getarnt ist mit ihrer Gefiederfärbung. Die etwas blinden Hühner haben sie noch gar nicht richtig gesehen! Deshalb kann sie den ganzen Tag unbehelligt mit der Hühnerschar unterwegs sein, im Garten scharren und nachts auf der Stange sitzen neben dem Chef und der Chefin des Stalls.

Spannend wird es erst wieder, wenn sie eine eigene Familie gründet. Der wilde Fasan vom Nachbarn baggert sie schon aufs Ärgste an. Der sitzt auf der Umzäunung der Pferdeweide und stößt Laute aus, dass allen die Ohren klingen, aber sie sieht ihn nicht mal.

Ich glaube immer noch, dass unser kleines Fühnchen meint, sie wäre ein Huhn und sich deshalb auch nicht mit dem wilden Kerl vom Nachbarn einlassen wird.

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