Der NDR war da!

von Petra Rolfs

Schäferei Rolfs in NDR-MeinNachmittag am 30.09.2016

…ein „Hinter-den-Kulissen-Bericht“.

An einem wunderschönen Septembernachmittag klingelt zwischen diversen Telefonanrufen „mal wieder“ das Handy und dieses Mal ist es weder eine Reservierung für das Café noch eine Rückfrage zu einer Ferienwohnung. Die Aufnahmeleitung des NDR ist dran.

„Hallo. Sind Sie Frau Rolfs – die Chefin des Cafés? Wir würden gerne unsere Nachmittags-Sendung in Ihrem Café aufzeichnen. Mittlerweile haben wir so viele Briefe von unseren Zuschauern, dass wir Sie mal besuchen sollen und dass wir eigentlich nicht mehr an Ihnen vorbeikommen. Sie müssen ja wirklich einen tollen Betrieb haben.“ – PAUSE …

Ein bisschen geschmeichelt denke ich natürlich nicht ganz zu Ende … und sage „Na klar –  wann möchten Sie denn kommen?“ „Ach, wenn das bei Ihnen passt sind wir am nächsten Freitag schon da.“ „Ähhhhh…“ „…und übrigens – kennen Sie unsere Sendung? Das Ganze ist immer live.“

Das ist der Augenblick, in dem mir fast der Hörer aus der Hand fällt. „Sollte ich noch was wissen?“ frage ich kleinlaut. „Ja, Sie backen zusammen mit unserem Reporter einen Kuchen und unsere Zuschauer brauchen dann das Rezept. Das ist schon alles!“

Ich versuche noch einzuwenden, dass ich schon lange nicht mehr selber backe und ganz zauberhafte Konditoren habe, die die tollsten Dinge veranstalten. Keine Chance. Das Sendeformat ist „Backen mit dem Geschäftsinhaber“ und nebenbei gibt es eine kurzweilige Plauderei über den Betrieb. Da gibt es nichts zu rütteln. Zu spät da muss ich nun durch.

Nun gilt es Grundlagenrecherche zu betreiben: Ich schaue mir Sven Tietzer, „meinen“ Reporter in der Sendung und mir aus originellen Abendprogrammen bekannt, und das Sendeformat in der NDR Mediathek an und stelle fest: die Authentizität liegt in seiner unschlagbaren Spontanität. Es fängt mich an zu Gruseln. Da kann man in einer Livesendung ganz schön doof da stehen denke ich …

Zwei Tage später ruft die Aufnahmeleitung nochmals an und bespricht kurz den Ablauf, erwähnt, dass der Aufnahmewagen „ein bisschen“ Strom braucht und sie einfach am Freitag da sind. Ach … und wir wären ja auch eine Schäferei, ob vielleicht noch jemand ein bisschen was über Schafe erzählen könnte. Es gäbe doch sicher etwas, was die Zuschauer interessant finden. Also – ganz unkompliziert! :)… und ob ich ein noch ein bisschen Werbung machen könnte, denn sie hätten ganz oft Betriebe, in denen zum Aufnahmezeitpunkt fast kein Publikum wäre …und das sieht dann immer so komisch aus …

Ich werfe ein, dass ich große Sorge hätte, dass das Kamerateam und die Assistenz nicht mehr in den Laden passen, wenn ich auf Facebook oder der Dithmarscher Zeitung schreibe, dass wir den NDR erwarten. Verwirrung … diesmal bei der Aufnahmeleitung:„Äh … wo ist Ihr Café gleich noch mal? In Büsumer Deichhausen?“

Freitag, der 30. September 2016, 9.30 Uhr. Das erste Kamerateam sitzt im Café und draußen gießt es in Strömen. Das Wetterradar verspricht einen wettermäßig „nordseetypischen Nachmittag“ zwischen den Schauern. Maas, mein Sohn, der Schäfermeister, nutzt die Chance mit dem Kamerateam einen „Schaf-Porno auf dem Deich“ kindgerecht aufzuarbeiten, um diesen im Nachmittagsprogramm des NDR zu platzieren. Die Idee von „schwarzen Balken“ kommt auf … aber es geht dann doch ohne. Und am Ende ist es durchaus unterhaltsam anzusehen ;).

Währenddessen wird das Café unter Strom gesetzt. Zwei Kamerateams und ein Aufnahmewagen werden mit Kabeln an unsere größten Stromquellen gehängt. Hätten wir an diesem Tag die große Kartoffeln-Sortiermaschine gebraucht, wären die Lichter in Deichhausen ausgegangen. Eine zweite Leitung muss durch Fensteröffnungen und Türspalten gelegt werden. Die darf aber im Bild nicht zu sehen sein … Eine sportliche Herausforderung. Die Küche wird zum „Trimm-Dich-Pfad“.

Sven Tietzer geht mit mir den groben Ablauf durch. Ich merke – dass ist nur der grobe Ablauf. Der Rest wird freihändig improvisiert. Tolle Aussichten. Meine Frage an die Aufnahmeleitung, was ich denn mit meinen Händen machen sollte, wenn wir nicht irgendwas machen wird mit dem Satz beantwortet: „Am besten nicht wild rumwedeln.“ AHA. Im Vorabendprogramm hatte ich mal einen „Wetterfrosch“ gesehen der so mit den Armen schwenkte, dass man sich gar nicht mehr auf das Wetter konzentrieren konnte … Das wollte ich natürlich tunlichst vermeiden.

Ich frage nach dem „ Photoshopfilter für besseres Aussehen“ … dies wird nur belächelt. „Seien Sie einfach authentisch!“ Wieder AHA. Für einen Laien alles gar nicht so einfach. Das Mikrofon hinter meinem Ohr lässt mich nicht die Haare hinter die Ohren streichen. Ich habe immer die Haare hinter den Ohren. Wie soll ich mich da wohlfühlen??? Marion, meine Dekofachfrau, erkläre ich zu meiner persönlichen Assistenz. Sie muss schauen, dass die Bluse und die Schürze immer richtig sitzen – es scheint zu klappen.

Noch drei Minuten… noch zwei Minuten… noch eine Minute… wir starren auf einen klitzekleinen Monitor und hören die Anmoderation aus dem Studio… noch 10 Sekunden. Mein Gehirn scheint sich in Watte zu verwandeln. Ich weiß, dass sich meine ganze Familie vor dem Fernsehen versammelt und unsere gute Fee Frau Sasse sich ins Auto verdrückt hat, um auf dem Handy das Ganze live zu verfolgen. Selbstzweifel überfallen mich, wer kam bloß auf die blöde Idee, Ja zu sagen …

„Konzentrieren Sie sich nur auf mich und schauen Sie nicht in die Kamera“ sagt Sven mit dem ich mich inzwischen Duze noch zu mir, „…und bleiben Sie immer dicht bei mir.“ Gut gesagt!

…und dann sind wir auf Sendung! Alles klappt, ich versabble mich nicht wirklich, hab auf alles eine kurzweilige Antwort, stehe nur einmal total falsch vor der Kamera und verliere trotz hoher Geschwindigkeit nicht den Anschluss an Sven. Was wirklich nicht immer leicht ist…

Total geschafft und platt … aber glücklich. Am Abend schauen wir nochmal „in Familie“ die Aufzeichnung an und stellen fest, dass wir uns ganz wacker geschlagen haben. Mein Sohn und ich. Der Rest war immer schneller weg als der Schall, wenn die Kamera um die Ecke kam …

Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass ich live nicht so oft brauche. Das kostet doch mehr Kraft als man sich vorher vorstellt. Nachts träume ich noch – trotz eines guten Weißweins – dass ich es total vergeigt hätte und nun in Zukunft im Edeka nur mit Sonnenbrille einkaufen könnte, weil jeder denkt – „Ehhh … das ist doch die, die bei der Live- Sendung so mit den Armen gewedelt hat.“ :)

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