Freiarbeit für Pferde

von Petra Rolfs

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Ein wunderschönes ‚Mädels-Wochenende‘ liegt gerade hinter uns und natürlich gibt es viel zu erzählen…

Am Freitag haben wir Lanzelot und Tom Tom auf den Pferdehänger geschoben und sind mit Gepäck und den weiblichen Familienmitglieder nach Niedersachsen aufgebrochen – etwas abhetzt zwar, aber voller Vorfreude auf ein Hof-freies Wochenende. Wie immer, wenn hier jemand aus der Familie den Hof verlassen möchte, fordert der Alltag mit allerlei Unwägbarkeiten dazu auf, doch noch mal darüber nachzudenken, ob es wirklich nötig ist, sich mehr als 5 km zu entfernen. Wir überlegten, aber nur kurz… Schnell weg! Unsere Männer haben zur Zeit Ernteeinsatz, die bleiben. Unseren Turnierpferden haben wir an diesem Wochenende eine Pause gegönnt, ihre Saison ist lang genug und sie stehen viele Stunden auf dem Hänger. Also kamen die beiden Tinker mit.

In der Nähe von Bremen hat Katharina von Lingen vor ein paar Jahren mit ihrer Familie den Hof ‚Horse Competence‚ gegründet und arbeitet und lebt seitdem dort. Katharina ist spezialisiert auf feine Freiarbeit und Problempferde und war unsere absolute Wunschkandidatin für eine Fortbildung.

An diesem Wochenende ging es um Respekt und Vertrauen, um Führen und Folgen und die Frage: Wer bewegt wen? In der Freiarbeit ist alles ganz klar. Man hat keinen Strick in der Hand, um das Pferd festzuhalten, falls es gehen möchte. Da muss die Basis stimmen, sonst läuft die Geschichte nicht – höchstens das Pferd, aber weg…

Es ist ein Handwerk, das man lernen muss und das Linn gerne auch in der Ausbildung ihrer jungen Turnierpferde einsetzt. Das Vertrauen des Pferdes und der Respekt, der es in kritischen Situationen dem Reiter folgen lässt, sind immer die Basis für Erfolg. Und spätestens auf dem Turnierplatz entscheidet sich, wer die Hausaufgaben gemacht hat.

Fee, Linn und die Tinker haben sich wacker geschlagen und gut gearbeitet. Wir haben an den Punkten geübt, wo noch ein bisschen Feinschliff fehlte. Ein besonnenes Temperament war dabei der große Vorteil unserer beiden Lehrpferde Lanzelot und Tom Tom. Wer gelernt hat, mit diesen beiden zu arbeiten, kann auch ein bisschen reaktionsschneller mit unseren jungen Holsteinern arbeiten.

Lanzelot war allerdings eine echt harte Nuss. In Irland als Hengst aufgewachsen und spät gelegt, wollte er nicht einfach Linn kommentarlos die Führung überlassen. Hier bestand Gesprächsbedarf von Mund zu Nüster! Nach einigen Nachfragen pferdeseits, ob Linn denn auch wirklich verlässlich führen und Pferd ihr vertrauen kann, lief Lanzelot völlig zufrieden wie ein großes buntes Schaf durch die Halle bis zum Hänger, an den fremden Stuten vorbei – Linn durfte vorgehen, Lanzelot hinterher. Standing Ovations, ein Pferdeflüsterer lebt in Deichhausen! Und ein vertrauensvolles Pferd mehr.

Rechtzeitig zur Gästebegrüßung am Sonntagnachmittag sollten und wollten wir wieder zuhause sein. Also alle rein in Auto und Hänger und auch die Rückfahrt im Galopp genommen. Einige Gäste haben gar nicht gemerkt, dass wir weg waren. So soll es sein.

Ein schönes, lehrreiches Wochenende für uns alle 5!

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