Urlaub mit kleinen Kindern: Damit auch die Eltern Urlaub haben
Wer „Urlaub mit Kleinkind“ in die Suche tippt, landet meistens bei der siebenundvierzigsten Checkliste: wie viele Bodys ins Reisegepäck gehören, welche Reiseapotheke mitmuss, welches Reisebett das beste ist. Solche Listen haben ihre Berechtigung, und irgendwann packt man ohnehin nach Gefühl. Aber wir glauben, dass sie am eigentlichen Punkt vorbeigehen. Denn das, was einen Urlaub mit kleinen Kindern wirklich leicht macht, steht auf keiner Packliste. Es hat mit einer Haltung zu tun. Und die dürfen wir euch vielleicht als Erste ein Stück weit abnehmen.
Wir sehen hier auf dem Hof jede Saison Familien mit ganz kleinen Kindern. Und man merkt ziemlich schnell, wann ein Urlaub leicht wird und wann er anstrengend bleibt. Der Unterschied liegt selten am Wetter, an der Ferienwohnung oder am Programm. Er liegt fast immer an einem einzigen Satz, den Eltern im Kopf mit sich herumtragen: „Jetzt muss das hier aber auch schön werden.“

Vielleicht ist der perfekte Familienurlaub gar nicht perfekt
Viele Eltern reisen mit einer stillen Erwartung an. Der Urlaub war teuer, die Anreise lang, das Jahr anstrengend, also soll sich das jetzt bitte lohnen. Am besten mit Sonnenuntergängen am Strand, glücklichen Kindern und Fotos, auf denen alle in dieselbe Kamera lachen. Der Anspruch ist verständlich. Nur ist er heimlich das größte Hindernis für genau den entspannten Urlaub, den man sich wünscht.
Denn ein Kleinkind weiß nichts von diesem Plan. Es weiß nicht, dass heute der schöne Tag sein sollte. Es weiß nur, dass die Windel drückt, der Löffel die falsche Farbe hat oder der Sand komisch zwischen den Zehen ist. Je fester Eltern am Bild vom perfekten Familienurlaub festhalten, desto größer wird der Abstand zu dem, was gerade wirklich passiert. Und dieser Abstand ist der Stress.
„Euer Urlaub muss nicht perfekt werden, damit er richtig gut wird.“
Kleine Kinder bringen ihren eigenen Rhythmus mit
Ein kleines Kind schaltet in einer fremden Umgebung nicht in den Urlaubsmodus. Es bringt seinen eigenen Rhythmus mit, und der interessiert sich herzlich wenig für den Tagesplan. Der Mittagsschlaf kommt, wenn er kommt. Der Hunger kommt, wann er will. Und die Bauklötze fliegen zum dritten Mal vom Tisch, weil genau das gerade das lustigste Spiel der Welt ist, ganz gleich, wie oft man sie schon aufgehoben hat.
Man kann versuchen, gegen diesen Rhythmus anzureisen. Das kostet Kraft und endet meist mit müden, quengeligen Kindern und ebenso müden Eltern. Oder man baut den Tag um das Kind herum: vormittags raus, mittags Ruhe, nachmittags etwas Kleines, abends früh und in Frieden. In einer eigenen Ferienwohnung mit eigener Küche geht das leichter, weil ihr vieles an den Rhythmus eures Kindes anpassen könnt. Wenn der Hunger heute eben schon um halb elf kommt, muss niemand bis zum geplanten Mittagessen durchhalten. Wer den Rhythmus des Kindes zum Taktgeber macht, hat plötzlich viel weniger zu verwalten und deutlich mehr Urlaub.
Wenn nichts mehr richtig ist, ist meistens einfach Feierabend
Es gibt diesen einen Moment, den alle Eltern kennen. Das Essen ist falsch, das Trinken ist falsch, der Becher ist falsch, die Hose kratzt, und eigentlich ist gerade die ganze Welt falsch. Man kann in solchen Momenten anfangen zu verhandeln, abzulenken, gut zuzureden. Meistens hilft nur eine einzige Erkenntnis: Das ist kein Erziehungsproblem und kein missglückter Urlaubstag. Das ist einfach Feierabend, ein bisschen zu früh.
Dann ist es völlig in Ordnung, den Nachmittag abzublasen und gemeinsam eine ungeplante Pause zu machen. Auf der Decke liegen, in die Wolken schauen, nichts weiter. Und manchmal endet so ein Tag eben damit, dass Papa um halb zwölf nachts mit dem Kinderwagen kleine Runden dreht, weil das Kind nur in Bewegung zur Ruhe kommt. Das ist kein Scheitern. Das gehört dazu. Wer das vorher weiß, nimmt es gelassener, wenn es passiert.
Für Zweijährige können Schafe beim Fressen das Tageshighlight sein
Das Schöne an kleinen Kindern ist, dass die großen Attraktionen für sie gar nicht die großen Attraktionen sind. Manchmal ist es einfach, den Männern bei der Arbeit zuzuschauen. Manchmal sind es die Schafe beim Fressen. Und manchmal versucht ein Zweijähriger mit Papa in der Sandkiste sehr ernsthaft, den Erdmittelpunkt zu erreichen.
Erwachsene bewerten Erlebnisse gern nach ihrer Größe. Kleine Kinder tun das nicht. Für sie kann es spannender sein, zehn Minuten einem Schaf beim Fressen zuzusehen als jeder große Freizeitpark. Das lässt sich nicht planen und nicht buchen. Aber man kann Kindern die Gelegenheiten dazu geben und dann einfach danebensitzen, mitmachen und staunen lassen.

Lasst die Urlaubsliste zu Hause
Es ist verlockend, jeden Urlaubstag zu füllen. Vormittags dies, nachmittags das, und bloß nichts verpassen. Mit kleinen Kindern rächt sich das fast immer. Vielleicht gibt es an einem Tag einen großen Programmpunkt. Vielleicht auch keinen. Beides ist völlig in Ordnung.
An der Nordsee kommt außerdem verlässlich Schietwetter dazwischen, und wer den Tag fest verplant hat, erlebt den Regen als Rückschlag. Wer ihn eingeplant hat, hat einfach einen Plan B in der Tasche, sei es der Spielboden hier auf dem Hof, ein Indoor-Spielplatz in der Nähe oder ein gemütlicher Nachmittag drinnen mit heißem Kakao. Der Mut zur Lücke ist beim Urlaub mit kleinen Kindern keine Schwäche, sondern die eigentliche Kunst. Denn die Momente, an die man sich hinterher erinnert, stehen ohnehin nie auf der Liste.
Urlaub mit kleinen Kindern wird leichter, wenn alle im selben Boot sitzen
Und dann gibt es die Situationen, in denen man als Eltern gar nichts falsch gemacht hat. Ein Kind liegt schreiend mitten im Café, weil ein anderes Kind ihm die Schleichkuh weggenommen hat. In manchen Umgebungen wird das ein unangenehmer Moment, weil man spürt, dass gleich alle schauen.
Und dann gibt es Orte, an denen am Nebentisch andere Eltern sitzen, die diese Lebensphase selbst kennen. Die nicht empört denken „Was ist denn hier los?“, sondern eher, mit einem heimlichen Lächeln: „Gott sei Dank, heute ist es nicht meins.“ Und genau darum geht es uns: nicht darum, dass irgendwo anders Kinder weniger willkommen wären, sondern darum, dass Familien in derselben Lebensphase bestimmte Situationen ohne ein einziges Wort Erklärung verstehen. Genau dieses gegenseitige Verständnis nimmt unglaublich viel Druck heraus.
Genau deshalb gibt es unsere Wichtelwochen
Aus all dem ist bei uns etwas ganz Konkretes gewachsen. In unseren Wichtelwochen ist der Hof für eine Weile fest in der Hand von Familien, die alle genau in dieser Phase stecken. Alle kennen den frühen Feierabend, den Mittagsschlaf, der den Tag bestimmt, und die Schleichkuh, um die gerade ein kleines Drama tobt. Niemand muss hier den perfekten Urlaub abliefern, weil einfach niemand so tut, als wäre das das Ziel. Genau das macht diese Wochen für Eltern so entspannend.
Neugierig geworden?
Wenn ihr das Gefühl kennt, dass Urlaub mit kleinen Kindern leichter sein dürfte, schaut euch an, wie das bei uns aussieht.
Denn am Ende geht es gar nicht um den perfekten Familienurlaub. Es geht um gemeinsame Familienzeit, in der auch die Eltern wieder Urlaub haben dürfen. Und die wird oft genau in dem Moment am schönsten, in dem man aufhört, sie perfekt machen zu wollen.