Hofzeit statt Tiere füttern: Warum bei uns mehr dazugehört als ein Eimer Futter

Wir sind ja lernfähig. 😉

In den letzten Wochen haben wir gemerkt, dass wir mit einem einzigen Begriff bei manchen Gästen eine ziemlich konkrete Erwartung ausgelöst haben: Tiere füttern. Für uns war immer völlig klar, was das bedeutet. Für manche Gäste offenbar auch – nur leider nicht dasselbe. 😄

Wenn wir „Tiere füttern“ sagen, meinen wir die gesamte Versorgung unserer Tiere. Manche Gäste haben dabei eher ein anderes Bild im Kopf: Eimer nehmen, Futter verteilen, Tier frisst möglichst niedlich aus der Hand, fertig.

Genau da mussten wir klarer werden. Deshalb heißt das, was bei uns im Bauernhofurlaub bisher „Tiere füttern“ hieß, ab sofort Hofzeit. Der Begriff beschreibt einfach viel besser, was wir gemeinsam mit euch machen: Wir nehmen euch mit in unseren echten Hofalltag – bei den Tieren, auf der Weide und auf dem Feld. Und dazu gehört deutlich mehr, als vorne Futter ins Tier zu stecken.

Tiere versorgen heißt, das ganze Tier im Blick zu haben

Ein Tier zu versorgen ist immer ein Gesamtpaket. Futter gehört dazu, aber genauso Wasser, saubere Tränken, gepflegte Ställe und Weiden, Tierkontrolle, Pflege und all die kleinen Dinge, die jeden Tag dafür sorgen, dass es unseren Tieren gut geht.

Manchmal sieht Hofzeit deshalb so aus: Kinder stapfen mit Schubkarre und Äppelboy über die Ponyweide und sammeln Pferdeäppel ein. Nicht besonders glamourös, aber ziemlich wichtig. Die Haufen werden von der Weide gekratzt, in die Schubkarre gepackt und auf unseren Misthaufen gefahren – ganz normales Weidemanagement. Wenn hinten beim Pony etwas rausfällt, soll es möglichst nicht dauerhaft dort liegen bleiben, wo später wieder Gras wächst und gefressen wird. Durch das regelmäßige Abäppeln der Weiden reduzieren wir den Parasitenkreislauf und halten den Einsatz von Wurmmitteln in unserer Ponyhaltung so gering wie möglich.

Kind mit Schubkarre auf dem Bauernhof, im Hintergrund ein Pony und Hühner

Die Kinder sammeln also Pferdeäppel. Und lernen dabei eigentlich etwas über Tiergesundheit.

Und dann gibt es die Oma mit der Spülbürste

Eine meiner Lieblingsszenen: Eine Oma mit Enkel steht mit großer Begeisterung an einer unserer Tränken, bewaffnet mit einer Spülbürste, und schrubbt.

Und schrubbt.

Und schrubbt – mit einer Ernsthaftigkeit, als müsste diese Tränke anschließend aussehen, als käme sie frisch aus der Spülmaschine.

Muss sie nicht. 😄 Aber sauberes Wasser ist für unsere Tiere eben genauso wichtig wie der Futtersack, und deshalb gehört das Schrubben zur Versorgung ganz selbstverständlich dazu.

Ein leerer Futtertrog kann wichtiger sein als das Füttern selbst

Besonders deutlich wird das in unserer Lammzeit. Dann schauen wir nicht nur, was unsere Mutterschafe zu fressen bekommen, sondern mindestens genauso genau, ob sie es tatsächlich gefressen haben.

Ein Mutterschaf, das gerade Milch für seine Lämmer produziert, hat normalerweise ordentlich Appetit. Wenn da plötzlich Futter im Trog liegen bleibt, denken wir nicht „na ja, dann hatte sie heute eben keinen Hunger“ – dann gehen bei uns die Warnlampen an.

Stimmt die Futtermenge? Geht es dem Schaf gut? Müssen wir genauer hinschauen? Vielleicht Fieber messen? Steckt etwas ganz anderes dahinter?

Auch das ist Hofzeit: nicht Futter verteilen und weitergehen, sondern beobachten, kontrollieren, verstehen was normal ist – und merken, wenn etwas nicht normal ist.

Auch auf dem Feld ist Hofzeit

Denn genau wie bei unseren Tieren nicht nur das Füttern zählt, ist bei unserem Gemüse nicht nur das Ernten wichtig. Pflanzen, pflegen, gucken – die ganze Arbeit davor gehört genauso zum Ergebnis.

Bevor auf dem Feld begeistert losgezupft wird, muss allerdings erst eine ziemlich wichtige Frage geklärt werden: Was soll hier eigentlich wachsen, und was muss weg? Unkraut zupfen funktioniert nämlich nur dann richtig gut, wenn man vorher gelernt hat, was Gemüse ist und was nicht. Sonst haben wir hinterher eine wunderbar saubere Reihe, und die Möhrchen liegen auf dem Kompost. 😉

Kinderhand hält ausgerissenes Unkraut über einem Gemüsebeet

Also wird erst geguckt, dann unterschieden, dann gearbeitet. Und wenn genau das an diesem Tag ansteht, dann ist das eben unsere Hofzeit – ganz ohne Stall.

Davon zu unterscheiden ist unsere Jahreszeitenwerkstatt. Die ist kein Hofalltag, sondern ein eigenes, bewusst geplantes Angebot: Dort dreht sich alles um das, was zur jeweiligen Jahreszeit passt – Themen aus Natur, Feld und Garten, die wir uns vorher überlegt haben. Die Hofzeit dagegen richtet sich danach, was der Hof an diesem Tag von uns will.

Wir zeigen nicht nur das Ergebnis, sondern den Weg dahin

Und eigentlich ist das genau der Punkt. Wir möchten euch nicht nur den schönen Moment am Ende zeigen – nicht nur das Lamm, nicht nur das Pony, nicht nur die Möhre, die aus der Erde gezogen wird –, sondern auch alles, was davor passiert.

Denn Landwirtschaft besteht nicht nur aus den Momenten, die sich besonders hübsch fotografieren lassen. Sie besteht aus Verantwortung, aus Beobachtung, aus Pflege, aus Arbeit und aus ganz vielen kleinen Dingen, die jeden Tag gemacht werden müssen.

Wir halten über 600 Mutterschafe in einem Bio-Betrieb, dazu unsere Ponys und unseren Bio-Gemüsebau. Das ist kein Programmpunkt, das ist unser Beruf. Und genau den dürft ihr bei uns mitangucken.

Am Ende sind es nicht die Fotos, an die sich die Kinder erinnern. Es ist der Moment, in dem sie gemerkt haben: Das hier war wirklich wichtig – und ich habe es gemacht.

Petra

Deshalb heißt es bei uns jetzt Hofzeit

Wir sind kein Freizeitpark mit landwirtschaftlicher Dekoration, sondern ein echter landwirtschaftlicher Betrieb. Und genau das dürft ihr bei uns erleben.

Mal wird gefüttert. Mal eine Tränke gereinigt. Mal eine Weide abgeäppelt. Mal kontrolliert, ob ein Schaf seinen Trog leer gefressen hat. Mal wird auf dem Feld zwischen Gemüse und Unkraut unterschieden. Und manchmal sieht der Hofalltag ganz anders aus als am Tag davor, weil unsere Tiere und unsere Felder sich nicht nach einem festen Ferienprogramm richten, sondern danach, was gerade getan werden muss.

Genau deshalb nennen wir diese gemeinsame Zeit ab sofort Hofzeit: mitmachen, verstehen und erleben, was echter Bauernhofalltag bedeutet. Nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dahin.

Wer das nicht nur einmal erleben will, wohnt bei uns am besten gleich mittendrin – in einer Ferienwohnung mitten auf einem echten Bauernhof.

🐑 Ihr seid nur für einen Tag da?

Die Hofzeit ist unseren Übernachtungsgästen vorbehalten und findet Montag bis Freitag statt. Wer uns nur besucht, kann trotzdem füttern: an unserem Schaffutter-Automaten direkt an der Weide, mit dem richtigen Futter und einer kleinen Anleitung.

Häufige Fragen

Was ist die Hofzeit genau?

Hofzeit heißt: Wir nehmen euch mit bei dem, was auf unserem Hof an diesem Tag wirklich getan werden muss. Das kann bei den Tieren sein, auf der Weide oder auf dem Feld – füttern und versorgen, Tränken reinigen, Weiden abäppeln, Tiere kontrollieren und pflegen, Gemüse pflanzen und pflegen, Unkraut von Möhrengrün unterscheiden. Was gerade ansteht, richtet sich nicht nach einem Unterhaltungsprogramm, sondern nach dem Hof.

Wann findet die Hofzeit statt, und was kostet sie?

Die Hofzeit findet Montag bis Freitag statt und ist für unsere Übernachtungsgäste im Aufenthalt enthalten – sowohl im normalen Buchungszeitraum als auch während der Wichtelwochen. Ihr müsst also nichts extra buchen und nichts extra bezahlen.

Können wir bei der Hofzeit mitmachen, wenn wir nicht bei euch übernachten?

Die Hofzeit ist unseren Hausgästen vorbehalten – sie gehört zum Urlaub bei uns dazu. Wer uns nur für einen Tag besucht, kann unsere Schafe trotzdem füttern: an unserem Schaffutter-Automaten direkt an der Weide.

Heißt Hofzeit, dass wir keine Tiere mehr füttern?

Im Gegenteil – gefüttert wird natürlich weiter. Wir haben nur den Namen geändert, weil „Tiere füttern“ nach einer einzigen Handbewegung klingt und unsere Hofzeit deutlich mehr ist als das.

Dürfen wir bei euch Tiere füttern?

Ja. In der Hofzeit füttern wir gemeinsam, und an unserem Schaffutter-Automaten an der Weide könnt ihr jederzeit selbst füttern – mit dem richtigen Futter. Was wir nicht möchten, ist mitgebrachtes Brot, Kekse oder Gemüse: Das kann unseren Schafen ernsthaft schaden.

Heißt Hofzeit, dass meine Kinder arbeiten müssen?

Nein. Mitmachen ist ein Angebot, kein Programm. Manche Kinder schrubben eine halbe Stunde lang eine Tränke, andere gucken lieber zu. Beides ist völlig in Ordnung.

Ab welchem Alter können Kinder bei der Hofzeit mitmachen?

Schon ganz kleine Kinder können bei unserer Hofzeit dabei sein und ihren Beitrag leisten. Was sie konkret mitmachen können, hängt natürlich vom Alter ab.

Es geht nicht darum, dass jedes Kind dieselben Aufgaben übernimmt. Die Kleinen erleben den Hofalltag mit und machen dort mit, wo es für ihr Alter passt.

Müssen Eltern bei der Hofzeit mitkommen?

Nein, sie müssen nicht – aber sie dürfen sehr gerne mitkommen. Wir würden niemals von Eltern verlangen, dass sie ihr Kind alleine mit uns mitschicken.

Die Hofzeit ist im Schwerpunkt auf Kinder ausgerichtet, aber ausdrücklich kein reines Kinderprogramm. Eltern, Großeltern oder andere Begleitpersonen sind immer wieder mit dabei und haben oft selbst viel Spaß daran.

Was ist der Unterschied zwischen Hofzeit und Jahreszeitenwerkstatt?

Die Hofzeit ist echter Hofalltag: Wir nehmen euch bei dem mit, was an diesem Tag wirklich getan werden muss – bei den Tieren, auf der Weide oder auf dem Feld. Die Jahreszeitenwerkstatt ist dagegen ein eigenes, bewusst geplantes Angebot rund um das, was zur jeweiligen Jahreszeit passt.

Kurz gesagt – Hofzeit: Was muss heute auf dem Hof getan werden? Jahreszeitenwerkstatt: Was entdecken und machen wir passend zu dieser Jahreszeit?

Was ist, wenn es regnet?

Dann ziehen wir uns wetterfest an. Unsere Tiere wollen auch bei norddeutschem Wetter versorgt werden – und ehrlich gesagt ist der Stall bei Regen der schönste Ort auf dem Hof.

Kommentare

0Kommentare
Kommentarbereich geschlossen