Was passiert eigentlich im Ponyclub?
„Das andere links!“ In diesem Moment muss eigentlich jedes Mal die ganze Reitbahn lachen.
Gerade eben haben wir noch erklärt, dass jetzt alle nach links gehen sollen – und trotzdem biegt garantiert jemand nach rechts ab. Oder eben in das andere Links.
Keine Sorge – das passiert nicht nur den Kindern. Die Eltern stehen mindestens genauso konzentriert neben ihrem Pony und merken plötzlich, dass sich das Gehirn gerade nur noch mit einem Gedanken beschäftigt: „Bitte alles richtig machen.“
Und genau das ist der Moment, in dem die Anspannung verschwindet. Denn spätestens jetzt merken alle: Hier muss niemand perfekt sein.
Es ist kurz vor halb drei. Langsam rollen die ersten Autos auf unseren Hof. Manche Kinder springen schon aus dem Auto, bevor Mama überhaupt den Motor ausgeschaltet hat, andere bleiben lieber noch einen kleinen Moment an Papas Hand. Unter dem Schatten an der Reitbahn sammeln sich nach und nach die Familien und beobachten gespannt, wie unsere Reitlehrerin ein Pony nach dem anderen hereinführt.
Jedes Pony kennt seinen Platz, ganz ruhig stellt sich eines neben das andere. Während die Ponys schon erstaunlich gelassen wirken, steigt die Aufregung bei den Kindern mit jeder Minute ein kleines bisschen. Heute geht es endlich los.
Bevor das erste Pony losläuft, versammeln sich alle Kinder in einem Halbkreis, die Eltern stehen dahinter. Jetzt schauen wir erst einmal ganz in Ruhe, ob jeder einen Erwachsenen zum Führen dabeihat, ob die Schuhe fest genug sind und wer seinen eigenen Reithelm mitgebracht hat oder sich einen von uns ausleiht.
Und dann kommt der spannendste Augenblick des Nachmittags: Die Ponys werden eingeteilt.
Viele Kinder kennen unsere Ponys inzwischen schon ganz genau. „Ich möchte heute wieder Jim!“ – „Ist Prinz da?“ – „Darf ich wieder auf Bella?“ – „Und wo ist Hummel?“ Natürlich versuchen wir, solche Wünsche möglich zu machen. Schließlich entstehen zwischen Kindern und Ponys manchmal schon nach wenigen Begegnungen kleine Freundschaften.
🐴 Kennst du eins dieser Ponys schon?
- Jim – ein Pony zum Verlieben mit seiner kleinen Löwenmähne. Mehr über Jim erfahren
- Prinz – hat seine Chance auf ein gutes Ponyleben bei uns ergriffen. Mehr über Prinz erfahren
- Bella – unsere sanfte Schönheit mit ganz viel Herz. Mehr über Bella erfahren
- Hummel – unsere schwarz-weiße Tinker-Stute, ein echtes Herzenspony. Mehr über Hummel erfahren
Erst die Eltern, dann die Kinder

Was viele Eltern überrascht: Zuerst geht nicht das Kind zum Pony, sondern Mama oder Papa – ganz bewusst. Denn zuerst soll der Erwachsene selbst in Ruhe beim Pony ankommen, das Halfter lösen, ein paar Schritte führen und ein Gefühl dafür bekommen. Währenddessen beobachten die Kinder das Ganze mit großen Augen.
Erst wenn Pony und Elternteil gemeinsam in der Reitbahn angekommen sind, kommt das Kind dazu.
Ich glaube, genau deshalb sind unsere Eltern oft viel entspannter, als sie vorher gedacht hätten. Sie haben nämlich schon gemerkt: Das klappt ja.
Petra Rolfs, Schäferei Rolfs

Jetzt hilft unsere Reitlehrerin jedem einzelnen Kind beim Aufsteigen – natürlich von der richtigen Seite und natürlich genau an die richtige Stelle. Und genauso selbstverständlich kommt der Satz: „Du darfst dich ruhig an der Mähne festhalten.“ Das finden die Kinder meistens ziemlich schön – und die Ponys übrigens auch völlig normal.
Die ersten Meter geht es ganz gemütlich los. Einmal tief durchatmen. Mama läuft nebenher, Papa auch – und manchmal sogar die Oma. Und plötzlich merkt man, dass die kleinen Reiter da oben immer lockerer werden.
Erst wird vorsichtig mit einer Hand gewunken, dann mit der anderen. Und irgendwann kommt die ganz große Herausforderung: „Wer kann beide Arme ausstrecken wie ein Flugzeug?“ Die Gesichter werden immer entspannter – nicht nur die der Kinder.
Zwischendurch gibt es natürlich auch die kleinen Situationen, die jeder Ponyclub mit sich bringt. Da wird schon mal ein Hütchen freundlich umgekickt, ein Pony entdeckt einen besonders leckeren Grashalm, jemand hält den Führstrick viel zu kurz – und der Nächste wieder viel zu lang. Und irgendwo höre ich wieder: „Das andere links!“ Spätestens jetzt lachen alle gemeinsam.

Vor jeder Runde gibt es deshalb auch unsere kleine Sicherheitseinweisung. Zum Beispiel erklären wir, warum bitte niemand an der silbernen Schnalle ziehen sollte. Die meisten Eltern schauen dann erst einmal fragend – bis wir erklären, dass genau dort der Panikhaken sitzt. Oder warum man sein Pony lieber im vorderen Drittel begleitet und nicht wie beim Sonntagsspaziergang hinterherläuft. Und warum sich Kinder am besten an der Mähne festhalten und nicht an Mama oder Papa. Nicht, weil wir besonders streng wären, sondern weil es das Führen für alle einfacher macht. Und erstaunlicherweise verstehen Kinder das meistens schneller als Erwachsene.
Warum bei uns kaum Handys zu sehen sind
Was man während des Ponyclubs übrigens kaum sieht, sind Handys – ganz bewusst. Während der gemeinsamen Zeit bitten wir darum, nicht zu filmen oder Videos aufzunehmen. Nicht nur wegen des Datenschutzes, sondern weil dieser Moment den Kindern gehören soll. Wir wünschen uns, dass Eltern ihre Kinder anschauen – nicht durch ein Display, sondern mit ihren eigenen Augen. Die Erinnerungen dürfen danach entstehen.
Denn zum Schluss gehört die Reitbahn noch einmal allen. Jetzt kommen auch Oma, Opa oder der zweite Elternteil dazu. Die Ponys werden ausgiebig gelobt, über weiche Nüstern gestrichen und die Mähnen gekrault. Und natürlich entstehen jetzt die Erinnerungsfotos.
Gerne übernimmt unsere Reitlehrerin auch einmal das Handy, damit wirklich die ganze Familie mit aufs Bild kommt. Denn genau dieses Foto landet später oft im Kinderzimmer – oder bei Oma auf dem Kühlschrank.
Wenn danach noch eine zweite Ponygruppe wartet, werden jetzt einfach die kleinen Reiter gegen neue kleine Reiter getauscht. Ist es aber die letzte Gruppe des Tages, wartet noch eine ganz besondere Aufgabe: Dann dürfen die Kinder die Ponys gemeinsam zurück auf die Weide begleiten.
Ich verspreche euch: Für viele Kinder ist genau das mindestens genauso schön wie das Reiten selbst.
Petra Rolfs, Schäferei Rolfs
Und wenn ich am Ende des Nachmittags sehe, wie die Kinder noch einmal über die Nase ihres Ponys streicheln und beim Einsteigen ins Auto fragen: „Mama … wann kommen wir wieder?“ – dann weiß ich, dass wir alles richtig gemacht haben.
Denn unser Ponyclub soll keine Reitstunde sein. Er soll der Anfang einer Freundschaft werden.
🧒 Ein Nachmittag aus der Sicht eines vierjährigen Kindes
Heute durfte ich wieder zu den Ponys. Mama hat gesagt, wir müssen uns beeilen. Ich glaube, sie war fast genauso aufgeregt wie ich.
Mein Pony hieß heute Jim. Oder war es Prinz? Ich weiß nur noch, dass es ganz weiche Ohren hatte.
Am Anfang war das Pony riesengroß. Dann durfte ich hochklettern. Gar nicht so einfach. Die Reitlehrerin hat mir geholfen. Mama ist die ganze Zeit neben mir gelaufen. Das war gut.
Dann durfte ich winken. Erst mit einer Hand. Später sogar mit beiden. Mein Pony wollte zwischendurch Gras fressen. Alle mussten lachen. Ich auch.
Zum Schluss habe ich seine Nase gestreichelt. Die war ganz weich.
Als wir wieder ins Auto gestiegen sind, habe ich Mama gefragt: „Können wir morgen wiederkommen?“ Und Mama hat gelächelt.
Viele Eltern kommen zu uns und glauben, ihr Kind würde bei uns Reiten lernen. Ich glaube, das passiert ganz nebenbei. Was die Kinder bei uns wirklich lernen, ist etwas viel Wertvolleres: Sie lernen, einem Pony zu vertrauen. Und manchmal beginnt genau daraus eine Liebe, die ein Leben lang bleibt.
Petra Rolfs, Schäferei Rolfs
Häufige Fragen
Viele Eltern glauben am Anfang, sie würden ihr Kind nur begleiten – in Wirklichkeit begleiten sie viel mehr als das, sie geben Sicherheit. Das Kind sitzt zum ersten Mal auf dem Pony, dreht sich nach den ersten Metern um – nicht zur Reitlehrerin, nicht zum Pony, sondern zu Mama oder Papa. Ein kurzer Blick, ein kleines Lächeln, und schon geht es weiter. Deshalb laufen die Eltern bei uns mit: nicht, weil wir Hilfe brauchen, sondern weil genau diese gemeinsame Zeit später oft zu den schönsten Erinnerungen gehört.
Das ist völlig normal und passiert bei jedem Ponyclub – selbst Eltern verwechseln mal die Seiten. Wichtig ist der Spaß, nicht die Perfektion.
Ponys sind manchmal ein bisschen wie kleine Kinder, die fragen, ob heute die Regeln vielleicht anders sind – nicht aus Trotz, sondern weil sie es einfach ausprobieren. Hebt das Pony den Kopf wieder, wenn wir freundlich weitergehen, ist alles gut. Ein Pony, das zwischendurch einen Grashalm nascht, ist kein ungezogenes Pony. Es ist einfach ein Pony.
Während der gemeinsamen Zeit bitten wir darum, aufs Filmen zu verzichten. Am Ende gibt es aber die Gelegenheit für gemeinsame Erinnerungsfotos, bei denen unsere Reitlehrerin gerne aushilft.
Die schönsten Ponyrunden haben wir schon mit Gummistiefeln, Regenjacke und einem Spiderman-Shirt erlebt – Ponys interessiert Mode nämlich überhaupt nicht. Wichtig ist nur, dass euer Kind sich gut bewegen kann und feste Schuhe trägt; eine lange Hose schützt die Beine etwas vor Fell und Leder. Einen passenden Reithelm bekommt ihr von uns, wenn ihr keinen eigenen habt. Am wichtigsten: Bringt gute Laune mit, den Rest bekommen wir gemeinsam hin.
Dann passiert erst einmal gar nichts – zumindest nichts, wozu euer Kind nicht bereit ist. Manche Kinder laufen erst eine Runde neben dem Pony her, andere streicheln lieber erst einmal, wieder andere schauen erst den anderen Kindern zu. Das ist völlig in Ordnung, wir haben keinen Zeitdruck. Manchmal dauert es fünf Minuten, manchmal einen ganzen Urlaub. Vertrauen kann man nicht erzwingen, es wächst – und genau dafür nehmen wir uns die Zeit.
Weil unsere Ponys keine Fahrräder sind. Jedes Pony hat seinen eigenen Charakter: Das eine läuft lieber etwas flotter, das andere braucht einen ruhigen Menschen, und wieder ein anderes merkt sofort, wenn ein Kind noch unsicher ist. Deshalb überlegen wir bei jedem Kind bewusst, welches Pony am besten passt, und deshalb bleibt beim Ponyclub auch immer eine Reitlehrerin dabei – wir tragen schließlich Verantwortung für zwei Lebewesen: für das Kind genauso wie für das Pony.
Die letzte Gruppe des Tages darf die Ponys gemeinsam zurück auf die Weide bringen – für viele Kinder mindestens genauso schön wie das Reiten selbst.
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